Mittwoch, 17. Juli 2019

Anette

Der Geist ist willig und verzückt,
der Körper wird nun bald beglückt.
Beim Rehasport ganz aufrecht gehen,
auf der Matte sich im Kreise drehen,
das ist es, wonach der Sinn uns steht
und keinem dabei die Lust vergeht.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Eine Milliarde

Ich wußte es, ich bin Milliardär. Nachstehend eine Banknote aus dem Jahr 1922, während der Hyper-Inflation 1923 änderten sich die Werte rasant. 


Montag, 8. Juli 2019

Germany - Memories of a Nation

Neil MacGregor beschäftigt sich in seinem Buch mit der deutschen Geschichte, die mit der Aufteilung des Reiches von Karl dem Großen begann.
Er arbeitet dabei den Aspekt des ungefähr 1000-jährigen Bestands des "Heiligen Römischen Reiches" heraus. Der Zusatz "deutscher Nation" kam erst später dazu. Im übrigen sollten die Grenzen dieses Reiches im Osten noch einmal nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Bedeutung sein, denn bei der Festlegung der deutschen Ostgrenze orientierten sich die Alliierten (vor allem die Sowjetunion) daran. Die quasi föderalistische Struktur dieses Reiches, dass aus einer Vielzahl von Fürstentümern, Grafschaften und Bistümern bestand, war durchaus förderlich für innovative Neuerfindungen wie den Buchdruck. Denn wo die Staatsmacht enge Grenzen hat, kann man sich den besten Platz aussuchen, um innovativ sein zu können. In der Zeit des Heiligen Römischen Reichs sind doch denn auch viele bahnbrechende Entwicklungen zu verzeichnen. Da gab es Albrecht Dürer, der unter anderem das erste Logo aus seinem Namenszug kreierte. Luther, der mit der Übersetzung der Bibel eine einheitliche deutsche Sprache schuf und es erstmalig ermöglichte, dass auch das einfache Volk die heilige Schrift verstehen und lesen konnte. Das Reich erlebte den Aufstieg und Fall der Hanse, einer Handelsmacht, die völlig ohne militärische Unterstützung und auch weit außerhalb der Grenzen des Reiches agierte.
Heute wie gestern stellte sich die Frage, was bedeutet Deutschsein und wer ist ein Deutscher. Neil MacGregor weist darauf hin, dass diese Frage schon früher beantwortet wurde. Es ist die Sprache, die uns einigt, auch wenn wir außerhalb der Grenzen Deutschlands leben und viele historische Stätten, wo Deutsche wirkten, nicht mehr in Deutschland liegen. Und Dichter wie Goethe sind es, die unseren Nationalcharakter abbilden.
Napoleon brachte schließlich dieses erste Reich zu Fall, bevor er selbst geschlagen wurde. In der Folge erstarkte Preußen zur Hegemonialmacht des deutschen Sprachraums. Nachdem Österreich besiegt wurde, war der Weg für ein kleindeutsche Lösung frei, die Bismarck favorisierte. 
Spätestens mit dessen Abdankung begann der Weg, der zum "Platz an der Sonne" führen sollte in die Konfrontation mit fast allen europäischen Großmächten, die mit der Niederlage dieses "Zweiten Reichs" 1918 endete. Der Vertrag von Versailles wird oft als Beleg dafür genommen, dass hier der Grundstein für die Machtübernahme der Nationalsozialisten und den von Hitler angestrebten Krieg gelegt wurde. Das stimmt nur bedingt. Zur Vertragsunterzeichnung gab es keine Alternative, denn das Deutsche Reich wäre dann, wie nach dem Zweiten Weltkrieg, vollständig von den Alliierten besetzt worden. Leider haben ihn nicht die eigentlich verantwortlichen Militärs unterschrieben. 
Im nachhinein muss festgestellt werden, die junge erste Republik hat ihre Erfolge nicht gut verkauft und sich nicht stark genug verteidigt. Das mag eine Lehre für die heutige Zeit sein.
Neil MacGregor steht vor dem Problem, zu verstehen, wie eine solche Kulturnation wie die deutsche, sich einer so verbrecherischen Weltanschauung wie der nationalsozialistischen ergeben konnte. Immerhin weist er das Paradoxon nach, dass die Nazis zwar das Bauhaus geschlossen haben, sich aber dennoch des modernen Stils bedienten. Ein besonderer Aspekt ist der, dass der Schriftzug auf dem Tor zum KZ Buchenwald von einem verfolgten Kommunisten namens Franz Ehrlich geschaffen wurde. Dieser war als Mitarbeiter am Bauhaus tätig gewesen. "Jedem das Seine" war die sarkastische Botschaft, die die Insassen des Lagers jeden Tag zu sehen bekamen, denn sie war nach innen gerichtet. 
So lebte ein Teil der deutschen Kultur weiter und Künstler wie Käthe Kollwitz sorgten dafür, dass die Trauer und Verzweiflung über die erlebten Kriege einen Ausdruck bekamen. 
Doch je tiefer der Fall, desto höher kann der Aufstieg sein. Deutschland verlor nach dem Zweiten Krieg ein Viertel seiner Fläche von 1937. Glaubte man schon nach dem Ersten Weltkrieg nicht, mit dem Verlust von ca. 70000 qkm auskommen zu können, so waren es nun ca. 120000 qkm und auf die Bizone, die Keimzelle der alten Bundesrepublik entfielen gerade mal knapp 250000 qkm (mehr als die Hälfte weniger als das Deutsch Reich von 1914). Und dennoch gab es wieder Symbole für den deutschen Aufstieg und das Wirtschaftswunder, den VW-Käfer zum Beispiel. 
Neil MacGregor schreibt darüber, dass es eine Erinnerungskultur in Deutschland gäbe, ein Bewußtsein der Schuld. Während woanders Denkmäler an die nationalen Siege erinnern, nimmt er das Holocaust-Denkmal als Beleg dafür.
Doch leider ist dieses Gedenken nicht unumstritten, erscheint seine Sichtweise auf das moderne Deutschland von außen als zu optimistisch. Doch sollten wir uns vielleicht gerade daran ein Beispiel nehmen? Das wir mit Autoritäten jeder Art heute so unsere Schwierigkeiten haben, ist auch nicht nur schlecht.
Was das Buch zusätzlich lesenswert macht, das sind die vielen sorgfältig ausgewählten Illustrationen.

Montag, 1. Juli 2019

Nyash

Fuck me deep and fuck me fast,
as my time, it woudn't last.
Shadows come and shadows go
that is all I really know.
Give my life a special cast,
gonna live in future past.

Sonntag, 30. Juni 2019

Kollegen

Alles fing damit an, dass ich mit unserem  zukünftigen bosnischen Hausmeister vor dem Haus stand und wir uns sagten: "Hier kaufen wir was." Gesagt, getan. Nachdem wir uns für eine  Vierzimmerwohnung statt einer mit fünf Zimmern entschieden hatten, weil diese eine hellere und höhere Lage hatte, kauften wir uns also tatsächlich als Ehepaar um die 50 erstmalig "Eigentum."
Der Haken war nur, es gab noch 15 andere Parteien, die auch meinten, Sie hätten nun ein Eigentum erworben. Das merkten wir sehr bald. Erst waren alle sehr aufgekratzt und freundlich und wenn man nur den Müll weg brachte, kam man kaum noch zurück, da auf dem Weg hin und zurück wichtige Gespräche geführt werden mussten..
Außer unserem bosnischen Hausmeister war aus unserer Mitte meine Frau zur Vorsitzenden des dreiköpfigen Wohnungseigentümerbeirats gewählt worden. Die Kollegin im Beirat nutzte die Gelegenheit, ihre persönliche Reklamation (Geräusche in den Heizkörpern) solange zu Gehör zu bringen, bis die Versammlung der Eigentümer die Montage von Strangregulierventilen genehmigte. Da wir den lieben Frieden nicht stören wollten, hatten wir nun also ziemlich große Ventile unter unserer Kellerdecke hängen.
Dennoch überwarf sich die Kollegin mit meiner Frau und bezeichnete sie als "falsch". Sie war auch darüber verärgert, dass der Vogelbeerbaum vor ihrem Schlafzimmer entfernt worden war, weil ein anderer Kollege sich eine Terrasse bauen wollte und wir dies genehmigt hatten. Aber es fingen dann auch die Spielchen der Hausverwaltung an, die Mal dieses, Mal jenes Mitglied des Wohnungseigentümerbeirats informierte oder dieses eben unterließ. Das Aus für die Beiratstätigkeit meiner Frau kam dann, als sie anregte, unseren Hausmeister, für den sie das Gehalt machte, bei der Minijob-Zentrale anzumelden. Die Hausverwaltung konnte sich dem nicht widersetzen, aber unser Bosnier war da nicht sehr begeistert.
Nun aber übernahm ich das Amt des Beirats und stieß als nächster Vorsitzender mit dem Hausmeister zusammen. Einer der Beiräte, der Kollege mit der Terrasse, stellte eines Tages fest, dass die Hausmeistertätigkeiten nicht gemäß dem vereinbarten Leistungskatalog durch geführt wurden. Wir vereinbarten einen klärenden Termin mit dem Hausmeister. Grosszügig bot ich an, wir könnten ja den Plan an die Wirklichkeit anpassen, er aber sagte, es mache ihm nichts aus, wenn wir in der nächsten Eigentümerversammlung darüber diskutieren wollten.
Gesagt, getan, es erhob sich ein Sturm der Entrüstung, denn die Hausmeisterfamilie war mittlerweile so beliebt in der Gemeinschaft, dass man uns als Beirat und mir als Wortführer insbesondere es sehr übel nahm, dass wir den Hausmeister zu kritisieren wagten.
Der sagte, er tue, was er könnte und verschwieg es gekonnt, dass er zuvor sehr einverstanden damit war, die Sache zu diskutieren. Mein entsprechender Hinweis half mir nicht, ich war der Gelackmeierte.
Auch ich gab in der Folge mein Amt auf.
Nicht ohne das die Konflikte im Haus sich weiter entwickelten. Zwar war die Mitbewohnerin mit den Strangregulierventilen längst ausgezogen,  aber die schlechte Beziehung setzte sich auch mit den neuen Eigentümern fort.
Was noch so alles passieren kann, wenn man in einer Wohnungseigentümergemeinschaft lebt, sei nur beispielhaft aufgeführt. Ein amerikanischer Nachbar meint, er müsse immer grillen. Sagt wenigstens vorher noch Bescheid.  Ein italienischer Eigentümer mag unsere Schuhe vor der Wohnungseingangstür nicht. Seine polnische Frau prangert uns an, weil wir ab und zu etwas Erde unter den Füßen haben, wenn wir vom Hundespaziergang zurück kommen und nötigt uns, einen instabilen Fußabtreter zu benutzen. Ein deutscher Eigentümer fährt mit seinem Motorrad direkt in seinen Garten. Unser Hausmeister grüßt uns nicht mehr, weil wir es erzwungen haben, dass in der Eigentümerversammlung gefasste Beschlüsse auch von ihm umgesetzt werden.
Nachdem einige Eigentümer ihre Wohnungen vermietet haben, wird alles noch besser. Eine Partei grüßt und nicht, weil wir sie auf die Missachtung der Hausordnung hin wiesen. Gleichzeitig lässt diese Partei einen Motorroller auf dem Parkplatz vergammeln, nachdem dieser seine Flüssigkeiten in den Boden abgegeben hat. Eine andere Partei grillt und feiert nun bis in die Nacht, ohne vorher den Nachbarn Bescheid zu sagen.
Und die Moral von der Geschicht'?
Eigentümer lernen nicht.
Wir freuen uns auf die erste Eigentümerversammlung für unsere neue Wohnung. Wir sind dann mal wieder WEG.

Samstag, 29. Juni 2019

Abschiede

Die letzten Gedanken meines Vaters kreisten um die Frage, wie er das Geld auf seinem Girokonto vor dem Zugriff der amtlichen Betreuerin meines Bruders bewahren könnte. Er beauftragte mich, zur Bank zu gehen und das Konto zu leeren. Er konnte kaum noch sprechen, aber ich verstand das auch so. Ein letztes Mal hatte er mir seine bleiche Hand gereicht. Einen Tag später würde ich ihn nur noch leblos sehen. Selbst im Tod schien er noch empört darüber, dass es nun ein Ende hatte und ich bildete mir kraft meines Willens ein, er wolle mir noch einmal die Hand geben. Das mit dem Geld hat natürlich nicht gehen können und so kommt vieles anders als gedacht.
Auch die Abschiede, die während des Lebens notwendig werden und nicht mit dem Fall in die ewige Singularität enden, sind nicht immer gleich voraussehbar. 
Nach und nach habe ich Abschied von meinen Eltern genommen, von meiner Heimatstadt, von der Idee, Freunde zu haben, von Kindern, die ich nie hatte und einem Sternenkind, von meinem Wohnort, vom Grab meiner Eltern und nun von körperlichen und mentalen Fähigkeiten, die ich früher für mich reklamieren konnte. Vom Beruf will ich gar nicht schreiben, da war ich ohnehin nur wie ein Söldner auf Zeit beschäftigt. Jedem Abschied wohnt ein neuer Anfang inne, so heißt es. Das stimmt leider nicht immer. Die Vergangenheit ist wie eine abgeschlossene Kiste ohne passenden Schlüssel.
Abschied nehmen ist nicht schwer, das zu begreifen aber sehr.

Samstag, 22. Juni 2019

So wie es euch gefällt

Aus Zahlen eine Burg gebaut,
Figuren mit Wertigkeit vertraut.
Niemand hat hier je gelebt,
gewinnen war dafür erstrebt.
Das Ganze ist wohl nur ein Spiel,
beliebt, erfiolgend ohne Ziel.
Alles nicht von dieser Welt,
gemacht, damit es mir gefällt.