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Hallo, geht’s noch?

Die moderne zwischenmenschliche Kommunikation drückt in erster Linie den Verlust an Bedeutung der Worte aus, der durch eine Inflation von neuen Begriffen und anderen Verwendungen alter Worte übertüncht wird. Mann nehme das Wort ‚Hallo’. Früher mal als harmlose und unverbindliche Begrüßung benutzt oder als Anruf, taucht dieses Wort jetzt mitten in ganzen Sätzen auf und zwar als betonte Frage ‚Hallo?!’. ‚Hallo’ verkommt also nun zu einem Ausdruck der Irritation und des Unverständnisses und paart sich gern mit der Zusatzfrage: „Geht’s noch?“. Während früher die Frage „Geht’s noch?“ eher höchste Besorgnis und Anteilnahme ausdrückte, so sind diese Worte nun als Hinweis oder bestenfalls witzig mit einem Schuss Ironie gemeinte Bemerkung zu verstehen. Die heutige Welt hat der früheren ihren Sinn genommen und keinen neuen gefunden.
So mag es früher Sinn gehabt haben, wenn die Mutter ihr Kleinkind mit einem aufmunternden „Hallo“ begrüßte, heute praktizieren das aber auch junge Frauen mit älteren Männern in aller Öffentlichkeit und gern auch am Hotline-Telefon. Da mag ein übler Trick dahinter stecken, denn als Kind ist man Frauen gegenüber ja machtlos. Die Betonung des ‚Hallo’ hat sich geändert. Das ‚Hall..’ steht im Vordergrund und wird mit einer verstärkten Stimme zelebriert, die bisweilen, wenn sie eigentlich nicht so stark ist, etwas quäkig herüber kommt. Das ‚..o’ versinkt dagegen im Nirvana ganz im Gegensatz zum gefragten ‚Hallo?“, wo es eher als doppeltes oder dreifaches ‚o’ betont wird. Immerhin erspart einem diese 'Hallo' die gestelzte Frage: 'Was kann ich für Sie tun?'. 
Das gefragte ‚Hallo?!’ jedoch soll sicher Aufmerksamkeit erzeugen und verhindern, dass die Erzählung langweilig wird, in einer Zeit in der keiner mehr Zeit hat. Mich irritiert das immer, weil ich ja als Gesprächspartner schon da bin und auch zu höre. Ich frage mich also ‚Geht’s noch?“ und antworte mir selbst mit einer Frage: ‚Ja, aber mit wem geht es?“.      

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