Direkt zum Hauptbereich

Ringgeist - Fick' Dich!

Was mag mir denn damals durch den Kopf gegangen sein, vermutlich die bevorstehende Fußball-WM,
in deren Vorfeld ich mich am 26.4.2006 mit einem meiner Lieblingsthemen, dem augenscheinlich unvermeidlichem Gruß, beschäftigte. Über ein freundlich zugerufenes "Fick Dich!" freut sich doch ein Jeder, pardon natürlich auch Jede.

Die Welt ist nun bald zu Gast zu Freunden. Freunde grüßen sich, aber gibt es nicht Regeln, die allen Freunde dabei helfen? Der Jüngere grüßt den Älteren, der Untergebene den Chef (der Chef, wenn er gute Laune hat, den Untergebenen), der Mann die Frau oder der Freund, der einen Raum betritt, in dem ein anderer Freund schon ist, eben jenen.
Wir sehen schon, so einfach ist das alles nicht. Schon bei der Begrüßung unserer Freunde aus dem Ausland kann es Stolperfallen geben. Na gut, der Gastgeber grüßt normalerweise den Gast, aber ist der Gastgeber nicht auch irgendwie Chef?
Der Deutsche ist eigentlich gern Chef an sich, der Tunesier z.b. weiß das und spricht am Strand vorsichtshalber jeden Deutschen als Chef an. Ich habe das mal ausprobiert und unseren Büroboten mit „Hallo Chef“ angesprochen. Der Mann war erst etwas verdutzt, aber fand es dann so gut, dass er mich jetzt immer grüßt. Das ist eigentlich eine Ausnahme, denn normalerweise habe ich ein eher schlechtes Grüßrating. Erstens bin ich Mann und grüße alle Frauen, dann bin ich meist Untergebener und grüße meine Chefs, zudem sehe ich meistens zwar alt aus, aber nicht so alt wie ich bin und muss daher wiederum vermeintlich Ältere grüßen. Dazu kommt, dass ich meistens irgendwo herein gehe und meist nicht schon drin bin. Irgendwie habe ich so eine Art Ausländerstatus, nur bin ich kein Ausländer. Wer mich grüßt, ist entweder Ausländer oder verwirrt. Nicht echter Ausländer zu sein oder einer anderen Problemgruppe nicht wirklich an zu gehören, ist schon ein Problem an sich.

Grüßen oder gegrüßt werden hat also etwas mit sozialem Status zu tun und nicht mit Höflichkeit.
Höflichkeit und gute Wünsche werden zwar impliziert durch Grußformeln wie „Grüß Gott“
oder das veraltete „Heil ..“, aber sie müssen nicht ernst genommen werden. Schließlich denkt sich auch keiner was, wenn er „Mahlzeit“ ruft oder damit angerufen wird.
Insofern ist es doch egal, was wir uns sagen, die sozialen Regeln sollten nur eingehalten werden.
Neulich sagte eine junge Frau zu mir am Ende eines Dialogs „Fick’ dich!“ (Meinte sie: "Pfüad di" ?)
Das wäre doch ein schönes Beispiel für eine inhaltlich richtige Grußformel.
Denn beim in sich Hineingehen grüße ich mich selbst und werde gleichzeitig begrüßt.
Wenn das jeder so macht, haben wir uns den sozialen Wildwuchs und Zeit gespart.
Hoffentlich wissen das alle meine Freunde schon..

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

2002 - X

A rock feels no pain and an island never cries.. Auf der Insel Wahrheit gestrandet, möglicherweise völlig versandet? Einfacher jede Klippe zu umrunden, die Wirklichkeit darstellt und wählt, sich über den Riffen zu bekunden: der eigene Weg nur zählt! Auf dem Meer der Lügen, da lässt es sich gut segeln. Denn im Meer der Lügen, da gibt es keine Regeln.

Ringgeist - That's the way..

Meine Blogentsorgung schreitet voran, auch dieser Beitrag "zeichnet das Selige", nein, segnet das Zeitige.  Bin nun bereits beim 2.12.2004 . Überflüssig zu sagen, dass ich das Thema 50 längst durch habe. Von Zeit zu Zeit sollte man sich neu erfinden, um das Leben wieder zu erfahren. Das Leben ist einfach, die Umstände sind kompliziert. Ab 50 sollte sich jeder darum bemühen, sich eine Perspektive für das Alter aufzubauen. Alterswohngemeinschaften kommen sehr in Mode. Denn die Wichtigkeit sozialer Kontakte ist gerade in den späteren Jahren unbestritten. Ich freue mich auf eine Zeit, in der ich noch etwas kann, aber nicht mehr alles muß. Ich lerne verstehen, wie meine Eltern gedacht haben mögen. Aber verstehen heißt ja nicht: akzeptieren. Deswegen werde ich mich nicht im Nest einigeln, an Ideen für den Ausgang hat es mir noch nie gemangelt.