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Was bleibt

Manche Dinge im Leben bleiben im Gedächtnis hängen wie zum Beispiel ein Papagei, der ständig seinen Namen und die Adresse Preis gibt: Fridolin Alberding, Goethestraße 64. In der Papageien-Wohnung lauschte ich ab und zu einem Mann beim Klavierspiel zu. Und war begeistert: „Das war aber ein schönes Lied.“ sagte ich und sorgte damit für Heiterkeit auch des Vaters.
Bei ihm sass ich eines schönen Sommertags vorn auf dem Motorrad. Ein kurzer Moment nur, der davon übrig bleibt. Er war es auch, der mich aus dem Krankenhaus abholte, wo ich wegen einer Platzwunde an der Stirn genäht werden musste. Zuvor hatte ich alle zusammen geschrien, die sich mir näherten. Im Diakonissenhaus, wo ich behandelt wurde, waren auch die Schwestern zuhause, die mich im Kindergarten in die Ecke stellten, nach dem ich ain Kinderlied textlich etwas verändert hatte. Bei mir schwammen nämlich „alle meine Entchen“ ins Klosett und nicht auf dem See. 
Einen Moment unter Wasser vergesse ich auch nicht, hier holte mich die helfende Hand meines Vaters noch rechtzeitig heraus. Apropos Wasser, Durst hatte ich sehr viel als Kind. So viel, dass ich meiner Mutter den Hals der Sprudelflasche aus dem Netz holte, den Bügelverschluß öffnete und noch auf der Straße trank. Auf der Straße war es dann, wo ich eines Tages den Scheinwerfer eines Autos in der Kniekehle hatte, als ich morgens die üblichen Besorgungen für Mutter erledigte.
An andere, an sich wesentlichere Ereignisse, erinnere ich mich kaum. weder die Einschulung noch unsere mehrfachen Umzüge blieben anscheinend eindrucksvoll.
Auch fallen mir die Inhalte der mittäglichen Bettgespräche mit Vater nicht mehr ein. Ich weiß nur, dass ich einmal bemerkte: „Das war aber ein schönes Gespräch.“ Was bleibt ist eben die Erinnerung an Momente, die man so leider nicht mehr erleben kann.

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