Direkt zum Hauptbereich

2000 - XVI

Handwerkszeug

Sie müssen schon mehr tun, als nett sein, junger Mann!
rief die ältere Verkäuferin ihm zu, als er ratend vor dem Verkaufstresen stand.
Die jüngere pflichtete eifrig bei.
Was darf es denn sein? Ein Brötchen bitte!
Vollkornbrötchen? Nein, er wünschte sich ein weißes, schmales mit einer Kerbe in der Mitte.
Nein, ein weißes bitte!
Kaiser-, Rosen-, Buttermilch-, Mohn-, Sesambrötchen oder eine Schribbe?
Er grübelte, früher war alles so einfach, das zum Bäcker gehen und einfach Brötchen verlangen
und bekommen.
Dieser Luxus des Auswählens brachte ihn in Verlegenheit, obgleich
preislich eine gewisse Angemessenheit mit dem Angebot zu erkennen war.
Ungefähr so schwer wie aus der Form des Brötchenteigs sich das Endprodukt vorzustellen, ebenso belastete
es ihn, den Geschmack des Endprodukts zu erahnen.
In der Präbackmischungszeit hatte eine gewisse Unverwechselbarkeit beim Biß ins Brötchen gewirkt.
Das frische Innere und die knusprige Schale, die Erinnerung daran schlug Wellen in seinem Gedächtnis.
Unzufriedenheit stand in seinem Gesicht und fiel auf ihn zurück.
Backen Sie doch selbst, junger Mann! barschte die Alte ihn an.
Gute Idee, aber mit welchem Grundteig?
Er machte sich ja seine Wurst auch nicht selbst,
der Gedanke mit einem Eimer Wurst und einem Meter Darm den Metzger zu verlassen,
kam ihm amüsant vor.
Fast normal dagegen, sich die Brötchen selbst zu verbrennen.
Weißen Teig bitte! herrschte er die junge Verkäuferin an.
Da müssen sie morgens früher aufstehen, jetzt ist der Teig ausgegangen.
Er war versucht zu fragen, wohin. Gut dann eben ein Baguettebrötchen, der Ausweg!
Hatten Sie vorbestellt? Schaltete sich die Alte ein, ein bißchen triumphierend.
Sein Auge fiel auf ein eingepacktes Stück Weißbrot, geschnitten.
Sandwich ist weißer als Brötchen und weicher.
Aber es fehlt der Charakter.


Träume weiter diesen chrunchigen Traum
Und nimm' das Innere aus dem Brötchen
die Kruste davon ist gebräunter Flaum,
die Vorstellung davon gibt Dir Pfötchen.

So hauchte die holde Bäckersfee.
Er zog ein weißes Taschentuch aus der Hosentasche, musste er nicht zur Tankstelle?
Knacke uind backe, wenigstens die im Regal weißen Brötchen!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ringgeist - That's the way..

Meine Blogentsorgung schreitet voran, auch dieser Beitrag "zeichnet das Selige", nein, segnet das Zeitige.  Bin nun bereits beim 2.12.2004 . Überflüssig zu sagen, dass ich das Thema 50 längst durch habe. Von Zeit zu Zeit sollte man sich neu erfinden, um das Leben wieder zu erfahren. Das Leben ist einfach, die Umstände sind kompliziert. Ab 50 sollte sich jeder darum bemühen, sich eine Perspektive für das Alter aufzubauen. Alterswohngemeinschaften kommen sehr in Mode. Denn die Wichtigkeit sozialer Kontakte ist gerade in den späteren Jahren unbestritten. Ich freue mich auf eine Zeit, in der ich noch etwas kann, aber nicht mehr alles muß. Ich lerne verstehen, wie meine Eltern gedacht haben mögen. Aber verstehen heißt ja nicht: akzeptieren. Deswegen werde ich mich nicht im Nest einigeln, an Ideen für den Ausgang hat es mir noch nie gemangelt.

Der Absturz

Ein Flugzeug mit deutschen Passagieren ist abgestürzt, so weit, so schlimm. Was sich in den Medien aber derzeit abspielt, das kann man auch als Absturz bezeichnen. Ein Absturz in die scheinheilige Betroffenheit mit der immer wiederholten Frage nach dem "Warum?". Eine Frage, die sich naturgemäß am Tag des Unglücks gar nicht beantworten lässt. Warum also diese unaufhörlichen Sondersendungen ohne Inhalt mit immer neuen Experten, die irgend etwas vermuten. Vielleicht wäre angesichts eines solchen Ereignisses auch weniger mal mehr. Nur die Angehörigen der Opfer können doch überhaupt ermessen, was ihnen der Verlust bedeutet. Und man kann nur hoffen, dass sie sich nicht allzu schnell sich der Versuchung hingeben, der lauernden Presse Auskünfte zu erteilen. Eines der Statements, die kursieren, ist ja, dass nichts auf einen terroristischen Hintergrund hin deutet. Ich meine, das wäre momentan die einzig plausible Erklärung. So etwas muss jemand gewollt haben. So und da habe ich mich nu...