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1993 - II

Ein Mädchen setzt sich mir gegenüber auf die Sitzbank in der U-Bahn. Sie hat blaue Augen, ist groß und langhaarig, dunkelblond. Neben ihr am Fenster eine kurzhaarige Rotgefärbte mit Einheitsgesicht. Das Mädchen trägt eine Lederjacke mit „USA“-Aufschrift am Ärmel und schaut bei der Haltestelle auf ein Plakat an der Wand. Die Kurzhaarige guckt hinterher. Ich muss unwillkürlich ein Grinsen unterdrücken. Das Mädchen will lachen. Die Kurzhaarige ist verwirrt. Die ganze Zeit bis zur nächsten Station können wir, das Mädchen und ich, uns das lachen nicht verkneifen, indem wir verhalten grinsen. Sie zieht die Mundwinkel nach oben, ich schaue verlegen umher aus Angst, jeden Moment loszuprusten. Eine ältere Frau zwingt uns, unsere Beine seitwärts zu stellen. Sie bleibt unsicher stehen, sortiert Schirm und Taschen. Wir brechen in ein inneres Gelächter aus, die Frau erwidert es unwissend und nimmt endlich neben mir am Fenster Platz. Als wir an der U-Bahn-Station halten, wiederholt sich die Szene mit dem Plakat, sodass das Mädchen und ich uns wieder neu verkneifen müssen. Die kurzhaarige Rote ist wieder konsterniert und bleibt maskiert.
Ich schaue das Mädchen an, will irgendetwas sagen, wie: lustig, was?
In Kalbach steigt sie auch aus. Ich sehe ihre schlanke Gestalt von hinten.

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Meine Blogentsorgung schreitet voran, auch dieser Beitrag "zeichnet das Selige", nein, segnet das Zeitige.  Bin nun bereits beim 2.12.2004 . Überflüssig zu sagen, dass ich das Thema 50 längst durch habe. Von Zeit zu Zeit sollte man sich neu erfinden, um das Leben wieder zu erfahren. Das Leben ist einfach, die Umstände sind kompliziert. Ab 50 sollte sich jeder darum bemühen, sich eine Perspektive für das Alter aufzubauen. Alterswohngemeinschaften kommen sehr in Mode. Denn die Wichtigkeit sozialer Kontakte ist gerade in den späteren Jahren unbestritten. Ich freue mich auf eine Zeit, in der ich noch etwas kann, aber nicht mehr alles muß. Ich lerne verstehen, wie meine Eltern gedacht haben mögen. Aber verstehen heißt ja nicht: akzeptieren. Deswegen werde ich mich nicht im Nest einigeln, an Ideen für den Ausgang hat es mir noch nie gemangelt.

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