Direkt zum Hauptbereich

Gold - LXI

Pauls erstes Jahr mit der neuen Beziehung machte ihm bewusst, dass sein bisheriges Leben unwiderruflich Geschichte war. Es führte ihn zurück in Zustände, die er längst überwunden zu haben glaubte.
Eine Ausflugsfahrt an den Bodensee brachte ihn an den Rand des Zusammenbruchs. Die Fahrt war bereits sehr anstrengend, das Wetter sehr kalt, noch dazu stand Ostern vor der Tür. Ostern, das Fest seiner Katastrophen. Konnte er schon mit Weihnachten wenig anfangen, so war es mit Ostern noch schlimmer.
Kneipenzeit und beginnende Frühjahrsbeschwerden minderten ohnehin schon immer seine Befindlichkeit.  
In diesem Jahr nun zahlte er die Zeche für die sich anbahnenden Konflikte mit dem Elternhaus und die ungewohnten Lebensweisen, die sein neues Leben mit sich brachte.
Rasende Nervosität und die Abwesenheit eines zentralen Bewusstseins, die Angst vor dem Verlust der Kontrolle. Das alles kannte er recht gut und er pflegte nach solchen Zusammenbrüchen relativ schnell wieder auf die Beine zu kommen. Es kam ihm zuweilen sogar so vor, als habe er nur mal kurz Urlaub vom Ich genommen.
Später würde er ein Spiel daraus machen, sich immer mehr aufzubürden und innerlich teilnahmslos zuzusehen, wie er selbst dabei unter ging. Es würde im ein orgiastisches Gefühl bereiten, mit den eigenen Grenzen zu spielen, gerade weil er wusste, dass am Ende immer alles verloren ist.
Aber so weit war Paul in jenen Frühjahrstagen noch nicht.
Sie sahen sich Lindau und Merseburg an, besichtigten ein Dorf auf Pfählen.
Später würde Paul auch klar werden, dass es in Deutschland überall solche Attraktionen gab, denn das Interesse an der Vermarktung führt überall zu Ergebnissen, stachelt die Neugier an und macht vor der Vergangenheit nicht halt.  
Seine neue Heimat würde Lemgo sein, der Wohnort der Eltern seiner Freundin.Zweifelsohne waren sie in der Fremde mit ihrem Lebensbund, zuhause würden sie erst dort sein.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ringgeist - That's the way..

Meine Blogentsorgung schreitet voran, auch dieser Beitrag "zeichnet das Selige", nein, segnet das Zeitige.  Bin nun bereits beim 2.12.2004 . Überflüssig zu sagen, dass ich das Thema 50 längst durch habe. Von Zeit zu Zeit sollte man sich neu erfinden, um das Leben wieder zu erfahren. Das Leben ist einfach, die Umstände sind kompliziert. Ab 50 sollte sich jeder darum bemühen, sich eine Perspektive für das Alter aufzubauen. Alterswohngemeinschaften kommen sehr in Mode. Denn die Wichtigkeit sozialer Kontakte ist gerade in den späteren Jahren unbestritten. Ich freue mich auf eine Zeit, in der ich noch etwas kann, aber nicht mehr alles muß. Ich lerne verstehen, wie meine Eltern gedacht haben mögen. Aber verstehen heißt ja nicht: akzeptieren. Deswegen werde ich mich nicht im Nest einigeln, an Ideen für den Ausgang hat es mir noch nie gemangelt.

Der Absturz

Ein Flugzeug mit deutschen Passagieren ist abgestürzt, so weit, so schlimm. Was sich in den Medien aber derzeit abspielt, das kann man auch als Absturz bezeichnen. Ein Absturz in die scheinheilige Betroffenheit mit der immer wiederholten Frage nach dem "Warum?". Eine Frage, die sich naturgemäß am Tag des Unglücks gar nicht beantworten lässt. Warum also diese unaufhörlichen Sondersendungen ohne Inhalt mit immer neuen Experten, die irgend etwas vermuten. Vielleicht wäre angesichts eines solchen Ereignisses auch weniger mal mehr. Nur die Angehörigen der Opfer können doch überhaupt ermessen, was ihnen der Verlust bedeutet. Und man kann nur hoffen, dass sie sich nicht allzu schnell sich der Versuchung hingeben, der lauernden Presse Auskünfte zu erteilen. Eines der Statements, die kursieren, ist ja, dass nichts auf einen terroristischen Hintergrund hin deutet. Ich meine, das wäre momentan die einzig plausible Erklärung. So etwas muss jemand gewollt haben. So und da habe ich mich nu...