Direkt zum Hauptbereich

Posts

2001 - XI

Chiclaner Spatzen Genießen Sie Ihren Urlaub, lassen Sie sich von den Spaniern empfangen, nehmen Sie teil an diesem Leben. So endete ein Vortrag der Reiseleiterin. Während allseits ein matter Applaus aufbrandete, dachten viele der Urlauber daran, was sie die nächsten Tage lernen würden. Viele fürchteten sich auch eher davor, in irgendein triviales Urlaubsgefühl zu versinken. Warum sich auf etwas einstellen, was so schnell vorbei geht? Die Spatzen von Chiclana, sie sind etwas ganz Besonderes. Nicht, das Sie denken, sie sehen genauso aus wie zuhause, das wäre nur eine oberflächliche Betrachtung. Die Reiseleiterin tanzte schon fast. Nein, sie haben Zigeunerblut in den Adern und einen arabischen Einfluss. Sie können und beherrschen den Flamenco perfekt. (Da sie allerdings kein festes Schuhwerk anziehen, hören sie die stampfenden Schritte nicht!) Sie sind imstande, aus dem Stand einen Spagat zu vollziehen. (Das praktizieren sie allerdings nur sehr selten, da ein auf dem Bauch liegender Vogel...

2001 - X

Pensare a Lei Er dachte an die Wohnung ohne Spuren, das weiße Tuch. Feuer brannte im Ofen, während Hände über Gitarrenhälse glitten, suchend. Er dachte an ihre Stimme am Telefon, die Tanzfläche, sein Hemd mit den schwarzweißroten Streifen, den ersten endlosen Kuss. Er hatte das Hemd ausgezogen und sie legte den Kopf an seine Brust. Du musst zum Friseur bald. School's out for ever! Sind Sie wirklich so blöd? Er ist so unauffällig. Wie ein Maurer, der sich hinter den selbst soeben hochgezogenen Wänden versteckt. Aber er war kein Maurer und keiner, der Mauern lässt. Baumeister, was willst Du einmal werden: Architekt. Auf der Kirchenbank saßen gesichtslose Gestalten, Gedanken, ein jeder einmal oder öfter gedacht. Sie beteten seinen Altar an, den er jetzt verließ. Durch die prächtigen Fenster fiel das Tageslicht gedämpft hinein. Strahlen schnitten die staubige Luft. Er schloss die schwere Tür hinter sich und dreht den Schlüssel um. Draußen sang der Frühling sein Lied. Die Vögelscharen s...

2001 - VII

Mitte der Welt Das rote Backsteinhaus trägt eine besondere Aufschrift, die seine Lage unterstreicht: Mitte der Welt. Ein Paar Schritte führen zum See. In dessen Mitte sprudelt ab und an eine Fontäne und verdeckt ein wenig den Blick auf den Ort. Die Blicke gehen am Ufer entlang und streifen viele leere Fenster in Sichtweite des Ufers. Mag die Mitte der Welt gefüllt sein, die nähere Umgebung steht ein wenig leer. Gewiss es gibt neue moderne Bauten, aber auch die teilen das Schicksal des Leerstehens, wenn auch nicht in so vollem Umfang. Platz, sich niederzulassen bietet die Mitte der Welt und erst recht die Deutschlands also. Woran liegt es, dass sich die Mitte ein bisschen ziert, gefüllt zu werden? Vielleicht an der Käsesahnetorte, die hier auch Himbeerkäsesahnetorte heißt oder vielleicht Käsesahnekuchen. Hier ist Genauigkeit am Platz, sonst gibt es leicht das, was nicht bestellt war. Oder es ist die Butter, die mancher frisch gebratenen Forelle fehlt, wenn sie auf dem Teller zum Verzehr...

2001 - V

Die Scholle Die Erde reicht bis zum Horizont, Bäume verbergen sich gekonnt, hier leben, sich niederzulassen, den Rest der Lebenszeit verprassen, das schafft dem Gedanken Raum, allein der Glaube hilft hier kaum. Wer immer woanders gewesen, wird hier wohl nicht genesen. Bringt die Besinnung auf eigene Werte, die Scholle, zurück zur Heimaterde?