Dienstag, 12. Dezember 2017

Wasserweg

Ein Haufen nackter, sehr langhaariger und sehr muskulöser, Männer lief herum. Es schien sich um eine Wohn-/Bürogemeinschaft zu handeln. Auch ein paar Frauen waren dabei. Bei einer sollte etwas repariert werden, am Bein gab es ein paar Falten zu glätten. Offensichtlich nahm hier keiner sein Alter an. Eine ältere Frau näherte sich mir. Sie war ein bisschen eingefallen. Wie sie wohl früher ausgesehen hat? Das Hinterteil, dachte ich, das ist das wichtigste. Wenn das in Ordnung wäre..
Schließlich wurde mir das ganze Treiben zu viel, es erinnerte mich an ein Krankenhaus. Ich suchte den Ausgang, fand ihn. Er wurde mir durch einen Mann versperrt, der mit einem Schlauch Wasser spritzte. Den kannte ich aus meinem Berufsleben, wo er mir oft im Weg gestanden hatte. Ich nahm also den Seitenausgang, Doch einmal um das Haus herum gelaufen,  erschien mir die Gegend unbekannt.  Ich fühlte mich, wie auf der anderen Seite der Stadt zu sein.  Der Weg war verloren.

Sonntag, 10. Dezember 2017

HuHu, der Geist der Zeit

HuHu, tönt es aus meinem Fernseher oder eine Dame nuschelt davon, dass ich in A8 denken soll. Wo bin ich? Beim Wintersport nicht etwa auf dem privaten Kanal, sondern ganz klar öffentlich-rechtlich unterwegs. Die Gebühren reichen wohl nicht mehr aus, um die Ski- und sonstigen Zirkusse zu unterhalten. Und in einer Anstalt werden die Patienten/Zuschauer schließlich auch nicht gefragt, welche Pille sie gut finden.
Welche Dosierung erforderlich ist, das ergibt sich aus der Aktenlage/den Zuschauerzahlen.

Freitag, 1. Dezember 2017

83 to 89 or 16

Geburtstage in einer Zeit
daran zu denken, bin ich nicht bereit.
83 und 89 im gemeinsamen Grab,
16 und gebrochener Stab,
die kleinen Lichter im dunklen Raum,
sie funkeln weiter, aus der Traum.





 

Mittwoch, 29. November 2017

Der Schreiber

Ein nackter Mann wird gefoltert. Er hat schwere, aber nicht tödliche, Verletzungen. Wenn er die Folter überlebt, ist er frei. Ich sitze an einem Tisch in der Nähe, über eine Karte gebeugt.
Der Mann kriecht zu mir, er bittet mich um Hilfe. Ich studiere die Karte und frage ihn beiläufig, ob ich an seiner Situation schuld bin. Er verneint, also kann ich ihm nicht helfen.

Mittwoch, 22. November 2017

Ich bin

Man nannte mich Papa zu einer Zeit,
doch nun ist der Weg sehr weit.
Viele Uhrzeiten sind vergangen
und zählbare Worte sie klangen
erst nach Heimat und dann nach Vergessen.
Für Zwei war eine Strecke bemessen.
In Unfreiheit kannte man sich,
in Freiheit entscheide ich.

Montag, 13. November 2017

Sünde

Was liegt herrlich dämpfend im herbstlichen Laub?
Der Kot meines Hundes, zerfällt nicht zu Staub.
Wer wird hier zum Kotbeutel greifen,
wo etwas Natur will langsam reifen?

Freitag, 10. November 2017

On my way

Open my eyes in the shade
to see a new day and wait.
Looking out for a brighter day,
to find out
my glimmering way.

Mittwoch, 8. November 2017

Wenn man nicht mehr weiter weiß: Arbeitsladen

Neulich im Workshop: die Frage: wovor Deutsche Angst haben. Die richtige Antwort kam nicht vor.
Vor dem Workshop sollten sie.
Dort werden Menschen ausgepresst und gezwungen, ihre geistigen Ergüsse auf Zetteln an eine Wand zu pinnen.
Als ich den Teilnehmern eines Workshops sage, dass es ja wie in der Schule zu gehe und man keine Freiheit der Gedanken habe, erwiderten sie, nein, so sei das nicht. Die eigenen Gedanken seien aufgenommen worden.
Allerdings nur die, nach denen gefragt wurde. Es ist den meisten also gar nicht bewusst, dass der Veranstalter des Workshops die Gedanken lenkt und in Formen presst.
Um manche Meinungen zu erzeugen, wird auf Statistiken und Datenmaterial zurück gegriffen, deren Quellen nicht immer identifizierbar sind und manchmal schlichtweg veraltet.
So habe ich es erlebt, dass sich der Veranstalter auf Zahlen von 2009 bzw. 2010 bezieht, obwohl wir das Jahr 2017 schreiben. 
Es wäre schön, wenn sich die Erkenntnis durchsetzen könnte, dass Menschen auch ohne Moderation von außen erst mal die eigene Vernunft sprechen lassen.
Das würde Kosten sparen, allerdings zulasten der "Beratungsindustrie".

Sonntag, 29. Oktober 2017

Schicksalsberg

Ein  Rettungshubschrauber kreist und setzt zur Landung an. Ich beobachte es durch das Busfenster auf der Gegenfahrbahn. Auf der schon einige  Autos vor uns langsamer fahren.  Unwillkürlich denke ivh daran, das Geschehen mit dem Handy zu fotografieren. Aber alles geht schnell . Wir fahren an der Unfallstelle vorbei. Viele Rettungsfahrzeuge sind schon da, ein Auto liegt zerschmettert neben der A 8 kurz vor der Ausfahrt zum Rasthof Irschemberg. Drei Tragen sind aufgestellt.. Hat der Fahrer am Handy gespielt, ist er von links zu schnell nach rechts eingeschert und ins Schleudern geraten? Oder wurde das Auto von einem anderen Fahrzeug berührt und quasi abgeschossen?

Später lese ich, es hat drei Tote gegeben und die A8 wurde voll gesperrt. Glück gehabt, dass wir noch durch kamen und froh bin ich, keine Fotos gemacht zu haben.

Noch später liest sich die Unfallursache so:

überhöhte Geschwindigkeit bei Regen. Also alles ganz normal..



Dienstag, 24. Oktober 2017

Egalite

Vor dem Sterben ist allies egal.
Ob Du grosse Töne spukst oder kleine,
den groben Socken strickst oder feine,
die Welt  lieb hast oder nie Verttrauen zu ihr fasst.
Egal  die ganze Qual.
Dein Hirn mag Dir was anderes sagen,
Ein Ende kann keinen Anfang wagen.
Und auch das Ende ist egal,
wenn es kommt, bist Du nicht da.
Das Leben ist ein langes Sterben,
Ins Jenseits lässt sich nichts vererben.

Montag, 16. Oktober 2017

Kolberger Gesichter

Da hat nun jemand meinen Kolberg-Beitrag in diesem Blog gelesen.
http://wolfgang-dreyer.blogspot.de/2012/08/Kolberg.html
Dieser Jemand ist eine Frau, die mit Adalbert Fabricius verwandt ist. Ihr Vater, ein Werner Fabricius ist nach dem Krieg nach Kanada ausgewandert, zusammen mit seiner Frau, die er noch in Kolberg kennen gelernt hat. Er hatte danach noch eine weitere Ehe, aus der nun die Frau stammt, die mir geschrieben hat.
Sie ist im Besitz eines Familienfotos, auf dem zwei Personen, die nicht zur Familie Fabricius gehören, abgebildet sind. Da das Bild 1928/29 entstanden sein soll, handelt es sich dabei wohl um die Geschwister Frieda und Werner Dreyer, also um meine Großmutter und meinen Großonkel.
Beide dürften sich damals in der Obhut von Adalbert und Emilie Fabricius befunden haben, da die Eltern im Jahr 1929 beide an TBC erkrankten und nacheinander im gleichen Jahr verstarben.



Es ist das einzige, leider sehr verschwommene, Bild von meiner Großmutter, das ich je gesehen habe.
Ich bemühe mich um eine bessere Kopie, aber ob ich sie erhalte, das liegt nicht in meiner Hand. In Zeiten, in denen über "soziale" Netzwerke kommuniziert wird, ist leider nicht alles einfacher geworden. Auch der Kontakt zur noch lebenden ersten Frau des Werner Fabricius in Kanada scheint mir nicht zu gelingen Damit schließt sich erst einmal meine Recherche.



von rechts nach links: Werner Dreyer, Frieda Dreyer,
Werner Fabricius, Emilie Fabricius, Adalbert Fabricius

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Buch der Gesichter

So sehe ich das Buch der Gesichter:
https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1510470625734973&id=100003161504514

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Jeder nach seiner façon?

2017 - und das Thema lange Haare ist bei Männern immer noch eins. Was für die Jugendlichen in den späten Sechzigern und in den Siebzigern ein Zeichen des Protests war, das schien Jahre später Normalität geworden zu sein - eben lange Haare auch bei Männern.
Heutzutage allerdings sind ausrasierte Männerköpfe mit einem Schopf oben drauf normal.
Das auch dank der vielen Zuwanderer, die ihr konservatives Männerbild hierher transportiert haben.
Glatze und der unvermeidliche Dreitagebart, das ist quasi die Uniform heutzutage. Da ist nichts mehr von Aufbegehren zu spüren. Anpassung und Abkapselung sind Trumpf ebenso wie das Verschwinden in eigene lebensferne digitale und/oder kulturelle Welten.
Da sollte ich mich nicht wundern, wenn ich mit meinem längeren lockigen Haar mit Attributen wie "schrecklich" oder "altbacken" konfrontiert werde. Mindestens werde ich auf mein Haar angesprochen. Dabei bin ich eigentlich stolz drauf, noch soviel Haar zu tragen und wenigstens mein Friseur ermuntert mich dazu. Schließlich hat nicht mehr jeder Mann mit 62 noch ein volles Haupthaar.
Aber so wie ich fälschlich dachte, in Deutschland sei man toleranter (in Wahrheit nur uninteressierter) geworden, so wird es auch nichts mit dem Verschwinden des Konservatismus.
Die konservativen Spießer wachsen nach, in erschreckender Zahl und selbst in meinem Verwandtschaftskreis. Und so stimmt es wohl auch, wenn der Kabarettist Florian Schröder sagt, dass es schon immer ca. 20% der Menschen gab, die den Nazis wohl gesonnen waren und sind.
Fassonschnitt bitte!
 

Sonntag, 24. September 2017

Frei

Nun wählt das Wahlvolk vermeintlich frei.
Dabei gaukeln uns die Meinungsforscher das Ergebnis längst vor. Umfrage auf  Umfrage wurde veröffentlicht und es bleibt zu hoffen, dass das Endergebnis stark von den Prognosen abweicht. Das würde beweisen, dass der Wähler sich nicht beeinflussen lässt und das Kreuz nicht automatisch beim vermeintlichen Sieger macht. Allein mir fehlt der Glaube.

Donnerstag, 21. September 2017

Die Wahl

Die Wahl haben wir angeblich am Sonntag. Doch wie es aussieht, ist sie schon entschieden. Wir sollen ja nur die staatstragenden Parteien wählen, Linke und AfD sind ja mehr oder weniger bäh,bäh. Da fragt man sich schon nach dem Demokratieverständnis unserer Politiker. Ist unsere Demokratie so schwach, dass sie Andersdenkende nicht aushält? Nein, es ist schlimmer, wir leben in einem CDU-Staat. Und ich bin froh, wenn das Spektakel vorbei ist und ich Herrn Lindners Dreitagebart nicht mehr sehen muss.

Montag, 18. September 2017

Effekte

Eigene Gedanken scheinen in einer Zeit verpönt, in der z.b. auf Facebook nur noch Sprüche und Lebensweisheiten gelikt werden und Foodwatch auf ganz andere Art praktiziert wird, als es der Name der Organisation vermuten lässt.
Da passt die Äusserung einer filmenden Gafferin eines Unfalls ins Bild. Wer nicht darüber nach denkt, was er da gleich ins asoziale Netz stellt, dem ist es natürlich egal, wessen Menschenwürde er verletzt.
In unserem Ort ist sonst nichts los, da kann man doch das mal filmen, so die Gafferin.

Montag, 11. September 2017

Memento mori

Habe mein Sprache nicht verloren,
fühle ich mich wie stets geboren.
Eine Zahl sie ändert sich morgen,
ein Stück der Ewigkeit geborgen.
Zeitstriche werden so erreicht
und kein plötzliches Ende, vielleicht.

Eine Rundfahrt

Die Grenze ist schon fast zu spüren auf den letzten Metern in Meck-Pomm. Dann erreichen wir Polen, ein Land mit sehr bunten Verkehrsbemalungen. Zweisprachigkeit ist nicht, auch nicht in Grenznähe. Durch die Siedlungen der Vorstadt erreichen wir unser Ziel in der Innenstadt und sind im Radisson Hotel sehr gut untergebracht. In der Umgebung des Hotels sind kaum Altbauten zu sehen. In den Wohnvierteln in einiger Entfernung zum Hafen gibt es genug davon. Sie werden zum Teil noch mit Kohle beheizt. Unsere Reiseführerin gibt uns ein gutes Kriterium an die Hand, um die Besitzer von Häuser und Wohnungen zu erkennen. Neue Fenster bedeuten stets, dass ein Privatinvestor am Werk war, alte dagegen, dass hier der Staat noch die Hand drauf hat. Schön ist das Pariser Viertel mit seinen Villen. Und durch einen großen Park fahren wir zurück zur Hafengegend. Zu Fuß erkunden wir die neue Philharmonie und das Schloss der Pommerschen Herzöge. Auf meine Nachfrage erklärt mir die Reiseführerin, dass es komplett neu aufgebaut werden musste. Zur Zeit ist nicht alles zu besichtigen, da in einem Flügel der Boden weg gerutscht ist. Die sandige Unterlage war wohl von den Ingenieuren nicht bedacht worden. Den Abschluss unseres Wegs bildet die Hakenterrasse. Der Blick auf die Oder ist wenig spektakulär, da im Osten fast nur Industriegebiete zu sehen sind.
Danzig erreichen wir einen Tag später. Zusammen mit Sopot und Gdingen (von den Nazis Gotenhafen genannt) bildet es das Konglomerat "Dreistadt". Unser Hotel liegt etwas außerhalb. Es ist das Focus Hotel. Von da aus es ist leider etwas zu weit, um am Abend noch in die Altstadt zu gehen. Am nächsten Tag haben wir eine Stadtführung, die im Hafen mit dem berühmten Krantor beginnt.  Durch eines der Wassertore der Stadt gelangen wir in die Altstadt, die komplett restauriert worden ist. Hinter den historischen Fassaden verbergen sich allerdings moderne Häuser.
Das Danzig eine Hansestadt war, sieht man auf den ersten Blick an den schmalen Häusern. Aufgrund der Fenstersteuer baute man lieber in die Höhe als in die Breite.
Wir sehen den Artushof und Fahrenheit-Thermometer (Fahrenheit stammte aus Danzig). Der Rundgang führt uns durch die umliegenden Gassen an der Marienkirche vorbei. Manche Gassen fallen durch die hoch liegenden Terrasse vor der Eingangstür auf, die durch Treppen von der Straße zu erreichen sind. Das sollte vor allen Dingen die Bewohner vor Hochwasser schützen.
Wir verlassen die Altstadt wieder und werfen noch einen Blick auf die gegenüberliegende Seite, wo mittlerweile eine an die historische Bebauung angelehnte neue Bebauung entsteht. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten wie z.b. den Rathausturm hier aufzuführen, das wäre nicht der Sinn und Zweck dieses Berichtes. Vielmehr soll hier der Eindruck, den die einzelnen Orte und Etappen hinterlassen haben, festgehalten werden. Wir versuchen in Danzig noch etwas Geld zu tauschen für die nächsten Tage. Das gelingt uns auch zu einem relativ guten Kurs. Unvermeidlich ist natürlich der Besuch einer Bernsteinschleiferei, wo wir lernen, das Bernstein brennt und vor allem wo wir sehen, wie aus dem recht unscheinbaren Stein durch den Schliff ein Schmuckstück entsteht. Berühmt ist natürlich auch das Danziger Goldwasser, aber ich denke, die meisten von uns haben davon nicht allzu viel mitgenommen. Die in Polen billigeren Zigaretten sind da deutlich beliebter. Die gegenüberliegende Hafenseite bietet keine besonderen Sehenswürdigekeiten. Da befinden sich, ähnlich wie in Stettin die Industriegebiete und die Ausfallstraße, auf der wir am nächsten Tag die Stadt verlassen werden.
Der Nachmittag bringt uns noch den Besuch der Kathedrale von Oliva, wo wir ein Orgelkonzert hören. Danach geht es zum überfüllten Hafen von Gdingen, der durch den langen Betonwellenbrecher keinen schönen Meerblick gewährt. Zum Abschluss dürfen wir uns auf der auch sehr vollen Seebrücke von Sopot tummeln, die wie üblich in Polen, Eintritt kostet.
Unser eigentliches Ziel der Reise ist Sensburg, heute Mragowo genannt.
Wir machen zunächst Station an der Marienburg (Malbork). Die Straßen von Danzig nach den Masuren sind durchweg bis auf einige kleine Stücke gut, aber man kann nicht allzu schnell fahren, da für Busse Tempo 70 gilt. In Marienburg erwartet uns bereits eine Reiseleiterin, die uns auf einer sehr ausführlichen Führung begleiten wird. Polen sehen diese Burg wohl in aller erster Linie als großen Spaß für die Kinder. So kann man in den Souvenirshops Ritterkleidung, Schwerter und ähnliche Utensilien kaufen. Die Marienburg ist eine der Burgen des deutschen Ritterordens, die quer über das Land verteilt angelegt wurden Man sagt, dass es möglich war, von den Burgtürmen aus Zeichen an die jeweils nächste Burg zu geben. Sie ist gleichzeitig ab 1309 Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens gewesen. Sie ist kaum möbliert, viel rote Backsteingotik außen. Die sehr alten Wandmalereien wurden teilweise wieder freigelegt.




Sehr alte Wandteppiche, unter anderem aus dem 15. Jahrhundert, dürfen nicht mit Blitzlicht abfotografiert werden. In einer kleinen Museumsküche bekommt man einen Eindruck davon, wie gewirtschaftet wurde. Schon zur damaligen Zeit gab es eine Art Wasserspülung bei den Toiletten.
Die Exkremente landeten dann in der Nogat. Das ist ein Nebenfluss der Weichsel, der an der Marienburg vorbei fließt. Der deutsche Ritterorden wurde vom polnischen König ins Land geholt, um die Einheimischen zu christianisieren. Zunächst gab es auf dafür Land als Lehen.
Bald bildete sich der Ordensstaat mit einem eigenen Staatswesen.
Nach der Besichtigung der Marienburg führt uns der Weg zu unserem endgültigen Ziel in den Masuren über Allenstein nach Sensburg. Ein sehr interessanter Zwischenstopp wird zuvor noch am  Oberlandkanal beim früheren Braunwalde eingelegt. Der Kanal verbindet Osterode mit Elbing. In erster Linie diente er dem Holztransport und anderen kommerziellen Zwecken.
Heute hat der Kanal ausschließlich eine touristische Bedeutung. Besonders an diesem Kanal ist,  dass es ausschließlich die Wasserkraft ermöglicht, Schiffe in einem auf Schienen rollenden Käfig über Berge zu transportieren. Auf der Gegenseite kommt immer ein weiteres Schiff entgegen. Die Kraft dieser beiden Bewegungen führt dazu, dass es ohne anderen Antrieb möglich ist, mithilfe des zu Tal fließenden Wassers die Energie für diesen Transport aufzubringen.
Wir steigen an im ehemaligen Braunwalde an Bord eines Schiffes. Die Besatzung macht uns die Hin- und Rückfahrt mit ein paar Getränken und kleinen Speisen angenehm.
Gerade rechtzeitig zum Abendessen erreichen wir unser Hotel in Sensburg.
Am ersten Tag in den Masuren steht ein Besuch der wenig schönen Wolfsschanze in der Nähe von Rastenburg an. Die Überreste verbreiten heute noch eine bedrückende Atmosphäre. Vor allem, wenn man sieht, wie sich der sogenannte Führer mit meterdicken Betonwänden schützen wollte,
während er sein ganzes Volk in den Tod schickte, bzw es billigend in Kauf nahm, dass in einem sinnlosen Krieg Millionen von Menschen ihr Leben verloren. Das alles, um eine neue Weltordnung unter Herrschaft der Nazis ins Leben zu rufen. Die Attentäter vom 20. Juli 1944 werden mit einer Gedenktafel gewürdigt. Mir fällt es schwer, Fotos zu machen. Zwischen den Trümmern spielen nun immerhin Katzen.
Das idealisierte Bild von ehemals deutschen Ostpreußen hat mit der heutigen Realität dort nichts mehr zu tun. Das Leben geht seinen polnischen Alltagstrott. Filialen aller bekannten Marktketten künden davon.
Um die Mittagszeit lauschen wir erneut einem Orgelkonzert, dieses mal in der katholischen Wallfahrtskirche Heilige Linde. Diese Kirche könnte statt im Ermland auch gut in Bayern stehen. Die üppige Barockausstattung erschlägt einen fast. Das Programm des Konzerts gleicht dem, was wir in Danzig-Oliva gehört haben. Besonders an der Kirche ist vor allem die Deckenmalerei von Matthias Johann Meyer, die die Illusion eines Gewölbes vermittelt. Und natürlich die Orgel, die nahezu jeden Ton imitieren kann und mit beweglichen Figuren ihr Spiel begleitend illustriert.
Mittag wir im Ort gegessen, wir probieren Piroggen. Die gefüllten Teigtaschen werden in Polen gern gegessen. 
Am Nachmittag unternehmen wir eine Schifffahrt von Nikolaiken aus zum Spirdingsee. Das ist weitgehend unspektakulär. Wir sehen die Landschaft rund um den See und das sonntägliche Treiben im Ort. Weitaus interessanter wäre es gewesen, sich im Ort mal auf eigene Faust umsehen zu können.

Der nächste Tag unserer Masurenreise steht im Zeichen des Besuchs von Johannisburg (heute Pisz).  Diese kleine Stadt ist sehr zerstört gewesen und liegt an dem kleinen Fluss Pissek (heute Pisa). Nach dem Spaziergang durch die Stadt, geht unsere Fahrt weiter an die Krutina. Im ehemaligen Krutinnen besteigen wir nach dem Mittagessen ein kleines Stakenboot, um auf der Krutina eine Fahrt zu unternehmen. Unser Fahrer heißt Ekkehard und ist ein echtes ostpreußisches Original. Er bringt uns während der ganzen Fahrt zum Lachen und erläutert quasi spielerisch, wie dieses Gebiet, das unter Naturschutz steht, zu sehen ist und was es zu bieten hat. Eine sehr schöne Fahrt durch die von Biberburgen und Schilfgewächs geprägte Landschaft, in der blaue Libellen dafür sorgen, dass man nicht von Mücken gestochen wird. Dieses Erlebnis ist ein Höhepunkt unserer Masurenreise.  Wir  haben wir noch ein kleines Souvenir erstanden und auch dieser Tag endet ausnahmsweise mal nicht so spät abends in Sensburg.
Wir müssen am nächsten Morgen schon Abschied nehmen von den Masuren. Die Fahrt nach Thorn führt über Landstraßen. Dort werden von einer Reiseführerin erwartet, die uns die Altstadt mit ihrer Geschichte näher bringt. Im Gegensatz zu Danzig und Stettin ist Thorn fast unzerstört in die Hände der Roten Armee gefallen. Einst in der Nähe der Grenze des deutschen Reiches zu Russland gelegen, ist die Altstadt in ihrer Bausubstanz tatsächlich noch original. Dazu mögen die dicken Festungsmauern beigetragen haben, hinter denen sich die Altstadt befindet. Die Stadt liegt an der Weichsel und das Ufer lädt auch an diesem Tag dazu ein, ein Fest zu veranstalten.
Das machte die Parkplatzsuche für unseren Bus nicht leichter. Letztlich meisterte unser Busfahrer auch diese Hürde und wir konnten am gleichen Tag zu unserer letzten Übernachtung in Posen aufbrechen.
Posen ist im Krieg sehr zerstört worden und dennoch gibt es heutzutage viele große Altbauten zu sehen. Posen macht nicht den Eindruck einer vom Tourismus geprägten Stadt.
Ein Mix aus modernen Bauten und Historie scheint eine polnische Spezialität zu sein.
Leider bleibt keine Zeit für eine Besichtigung der Stadt. Die Anbindung über die Autobahn nach Berlin ist gut und wir nutzen sie. Über den Berliner Ring fahren wir nach Leipzig und durch Thüringen nach Hause zurück.

Montag, 28. August 2017

Meine Zeit

Du gehst weiter Schritt für Schritt.
Die Uhr, sie tickt und nimmt dich mit.
Am Ende von all den zählbaren Tagen
wirst du dich verwundert fragen,
wo all die unvergessenen Momente blieben,
dein Abschied lässt sich nicht verschieben.

Donnerstag, 24. August 2017

Schneeweiß

Da liegt er da, der schwarze Vogel hat den Schnabel aufgerissen und ist tot. Irgend jemand wird ihn schon weg räumen in unserer Gemeinde, so denke ich. Tags darauf ist der Vogel platt wie eine Briefmarke, ein Auto war darüber gefahren und hat ihn so ausgepresst, das nicht einmal mehr die Fliegen ihren Spaß dran haben. (vermutlich eine verspätete Mutter, die ihr Kind abliefern muss oder jemand vom Lehrpersonal) Man mag ihm nicht in die Augen schauen. Diese Verzweiflung.
Aber das Tier bleibt nun weiter da liegen. Tage- und Wochenlang, bis sich jemand erbarmt und die Reste mit einem weißen Tuch bedeckt und dabei den Kopf mit Schnabel vergisst. Das bleibt einige Zeit so, mein Hund hat schon lange kein Interesse mehr an dem Objekt, das sich mitten auf der Zufahrt zu unserer Schule befindet. Nun ist auch das Tüchlein weg geweht und alles wie vorher. Halt, der Schnabel ist nun weiß und alle Passanten dürfen dieses Monument der Vergänglichkeit weiter beobachten.

Mittwoch, 16. August 2017

Ein Eindruck

Wir stehen vor der Seebruecke in Sopot an einem Freitag Nachmittag.. Eine Gruppe junger Männer mit Bierdosen in den Händen ruft "Deutschland" und "Deutsche raus' sowie "Geht nach Hause." Keiner von unserer Reisegruppe scheint das gehört zu haben und auch ich zwinge
mich zur Ignoranz. Soviel deutsch kann man in Polen noch,  ansonsten zählt hier die englische Sprache.
Unsere Reiseleiterin in den Masuren erzählt uns ein paar Tage später, dass Reiseleiter gefragt wurden, warum sie Deutsche führen Auch kam es schon zu Angriffen auf Touristengruppen.
Wir selbst wurden im kleinen Ort Sensburg eher ignoriert. In den Cafes und Eisdielen hatten wir keine Cance, als Ausländer bedient zu werden.
Als Pole ist
man gern unter sich.
Eine Frau aus unserer Reisegruppe wurde, nachdem als Deutsche erkannt, von zwei jungen Polen gefragt, was sie vom Holocaust halte. Eine Frage, bei deren Beantwortung man in Polen so oder so nur verlieren kann.
Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Die Sauberkeit und das Fehlen von Graffiti und sonstigen Schmierereien in den Städten beeindruckte. Die offiziellen Schilder sind bunt genug. Auch sah ich nur eine Frau mit Kopftuch. Polen ist ja bislang auch von islamistisch motivierten Gewalttaten verschont geblieben.

Donnerstag, 3. August 2017

Was schaffen wir?

"Wir schaffen das." So äußerte sich einst unsere Kanzlerin der Herzen. Vielleicht hat sie gemeint, dass sie ihre Wiederwahl im September spielend leicht schafft, weil ihre inhaltsleere Industriepolitik niemanden stört. Geschafft haben es aber nicht die Menschen, die Opfer der wie auch immer motivierten Anschläge der letzten Zeit wurden. Sie haben diese Ansicht mit dem Leben oder körperlichen und seelischen Verletzungen bezahlt. Die Wahrheit ist doch, dass auch Deutschland mittlerweile eine Blutzoll bezahlt, der schon kaum noch jemanden aufregt. Die Politiker werden nicht müde zu betonen, es seien nicht alle Einwanderer so. Damit will man wohl vertuschen, dass es einfach ein Wahnsinn war, Millionen von Menschen die Einreise in unser Land zu gestatten, ohne zu wissen, wer da kommt. Auch wenn man jetzt zurück rudert und sich darüber freuen kann, dass unsere europäischen Nachbarn ihre Grenzen abgeriegelt haben, es ist der fragwürdige Verdienst dieser Kanzlerin, eine Falschaussage in die Welt gesetzt zu haben.
Unser Rechtsstaat war nicht vorbereitet und die notwendigen Maßnahmen zur Abschiebung von Straftätern und anderen Gefährdern werden immer wieder blockiert.
Dabei müsste jedem klar sein, dass die Erwartungshaltung der Flüchtlinge sehr hoch ist und Frustrationen im Angesicht der Realität hierzulande kaum vermeidbar sind. Zudem müsste jedem klar sein, dass die meisten Flüchtlinge aus Ländern stammen, in denen Gewalt ein probates und auch religiös motiviertes Mittel ist.
Statt das alles mal zuzugeben, diskriminiert man hier die Menschen, die es wagen, das auszusprechen. Da gibt es dann keine moralischen Bedenken. Ist das Demokratie oder die Diktatur wirtschaftlicher  Interessen?

Montag, 31. Juli 2017

Paris

Am Himmel erscheinen außer dem übergroßen Mond zwei Planeten ungefähr gleicher Größe. Straßenbahnen huschen an mir vorbei, so als hätte niemand Zeit für das kosmische Schauspiel.
Wir sind in Paris, weil es hier die besten Schneiderinnen und Näherinnen geben soll.
In der Tat werde ich von einigen Frauen angesprochen, die mir bedeuten, dass ich besser ohne Frau gekommen wäre. Mich verwundert das alles, aber irgendwie finden wir unser Ziel nicht.
Stattdessen schaue ich mir die mittlerweile sehr großen Planeten an und meine, auf deren Oberfläche schon Konturen zu erkennen. Die Straße ist sehr lang und ich habe viel Zeit.

Samstag, 22. Juli 2017

Kein Anruf

Erst weckt mich mein Hauswart, ein wichtiges Telefonat. Ich versuche die Telefonnummer zu erkennen, bin mir aber sicher, es ist meine Mutter. Die ruft mich  wegen jedem Blöd Sinn an.
Dann fahre ich mit einer zweistöckigen Strassenbahn. Ueberall sitzen Leute und es nebelt. Der Fahrer erklärt, durch die Reibung der Räder in den Schienen entstehe Wasserdampf. Die Erklärung erscheint mir unerklärlich.
Mein Ziel ist eine über und über mit dunklem Holz vertaefelte Mensa, in der entsetzlich viele Leute entsetzlich viele Varianten von Speisen zu sich nehmen. Für die einen ein Paradies, für mich die Hölle.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Täuschung

Wenn Du glaubst, Dein Hund macht etwas wegen Dir,
dann hat er wahrscheinlich Hunger, das liebe Tier.

Samstag, 15. Juli 2017

Time running

Kämpfe weiter gegen die Dämonen,
das Leben soll sich schließlich lohnen.
Da rennt zum einen mal die Zeit ,
dann reizt mich die Vergesslichkeit.
Es flimmert mir so sehr vor Augen,
der Lebenslauf will mich auslaugen.
Wo bleibe ich, wo soll ich hin?
Seniorenbeirat, Minijob ist drin.
Es lacht der Derwisch meiner Frau,
sie weiss es auch nicht so genau.

Dienstag, 11. Juli 2017

46

Stehe an der Kasse , sie lächelt mir zu. Sie kassiert, ich will mein Glas abgeben, habe eine Rotweinflasche in der Hand, von der ich glaube, dass sie leer ist. Sie meint, da wäre noch was drin. Ich giesse den Rest ins Wasserglas. Es wird noch halb voll. Ich kann mich nicht von ihr lösen und warte, bis ihr Kassendienst beendet ist. Sie kommt auf mich zu, lächelt mich an. Ich nehme sie in den Arm. Sie ist schlank, blond und sieht gut aus. Mädchen, sage ich zu ihr, ich bin 46.
Sie lacht nur, sagt, es mache ihr nichts aus. Da fällt mir mein 50. Geburtstag ein, den ich ihr beichte. Ihr lächelnder Gesichtsausdruck mischt sich mit Ungläubigkeit. Aber auch die 60 habe ich schon erledigt, ich muss die Wahrheit erzählen. Sie beendet unsere Zweisamkeit, fast beleidigt zieht sie ab und in meiner Seele bleibt die Einsamkeit zurück.

Montag, 3. Juli 2017

Angekommen

Wo Hunde Fellnasen heissen
und Ferienwohnungen sich als "Oerli" preisen,
das ist da, wo ich jetzt bin
auf der Suche nach dem Sinn.

Freitag, 30. Juni 2017

Auf den Hund gekommen

Eine Ehe kann so vie/bedeuten:
Du hörst keine Musik mehr im Auto,
Du findest Dich auf den Strassen des Landes als Reisender wieder,
Du machst nichts mehr ungestört,
Du schläfst wenig und lebst virtuell.
Aber Hauptsache Du bist gesund
und hast einen groß kleinen Hund.

Donnerstag, 22. Juni 2017

B.D.S.M.

B - Bescheidenheit - Es gibt nicht für alles eine Lösung, für manches gar keine.
D - Demut - Menschliche Beschränktheit begrenzt jede Erkenntnis.
S -Stolz - Stolzsein ist Selbstbewusstsein,
aus eigenen Fehlern lernen.
M -Mut - Der Feigling stirbt tausend Tode und macht trotzdem weiter.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Sonnenwende

Der Himmel ist schwarz,
die Sonne brennt.
Meine Uhr aus Quarz,
der Zeiger rennt.
Was soll mir das alles
um auf einsamen Wegen,
im Falle des Falles
Aufmerksamkeit zu erregen.

Freitag, 9. Juni 2017

Meine Susis

Meine werden gar nichts wissen,
mich nicht allzu sehr vermissen.
Meine sind vielleicht gar nicht meine,
haben lange Haare und auch Beine.
Einstmals wollten sie mich dissen,
die Fahne weiß werde ich nicht hissen.
Wer nicht weiss, wovon hier die Rede ist,
der ist weder ein Opti- noch ein Pessimist.

Montag, 5. Juni 2017

Richard David Precht (Eine philosophische Reise)

Wer bin ich und wenn ja, wie viele? 

Das ist aus der Sicht der Hirnforschung eine berechtigte Frage, die mich an die Sendung "Was bin ich?" erinnert. Der Autor führte in seinem 2007 erschienenen Buch Erkenntnisse aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen zusammen.
Dennoch fällt es nicht schwer, die Essenz des Buches zu finden.
Das Ego ist schließlich das Ergebnis komplexer verschiedener Bereiche unseres Gehirns. 
Doch unser Bewusstsein ist zum Einen an unser Dasein als Säugetier gebunden und zum anderen gibt es tatsächlich viele verschiedene Zustände unseres Bewusstseins. Mehrfach haben sich Philosophien die Frage nach der Freiheit unseres Bewusstseins gestellt. Wie frei entscheiden wir vernunftgemäß, wie stark ist unser Unterbewusstsein? 
Beim Lesen des Buches wird einem immer mehr klar, wie wenig wir wirklich über uns wissen.
Da hilft wieder nur die Philosophie. Epikur lebte im antiken Athen lange vor Christi Geburt und hielt von unserer Erkenntnisfähigkeit gar nichts. Er hielt sich an das, was er zu sehen glaubte. Der Tod war für ihn kein Thema, denn wenn er eintrete, dann wäre er nicht mehr da. (Mein Vater sagte mal, von mir wirst Du es nicht erfahren.) Das Wissen um die Endlichkeit ist aber geradezu das, was uns vermutlich von den Tieren unterscheidet. 
Unsere engsten Verwandten im Tierreich, die Menschenaffen, verstehen immerhin unter besonderen Laborbedingungen unsere Sprache. Sie verfügen über eine Intelligenz und einen kleinen Wortschatz, den sie in freier Wildbahn nie und nimmer erlernen, weil sie ihn nicht brauchen.
Unsere Erkenntnisfähigkeit ist also sehr von unseren Lebensbedingungen abhängig. Das Gehirn verhält sich bei Unterforderung so wie unsere Muskeln, es baut ab.
Am Ende des Buches bleibt die Frage nach dem Glück. Das hängt, obwohl der 
Mensch nach materiellem Wohlstand strebt, aber nicht von ihm ab. Soziale Beziehungen sollen nach Studien wichtiger sein. Vermutlich ist das soziale Miteinander so etwas wie der Sinn des Lebens, denn einsam will kein Mensch sein. Den Sinn des Lebens erkennen zu können, das scheint auch nicht unsere Aufgabe zu sein. Wir können froh sein, wenn wir zu wissen glauben, wer wir sind.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Dino-Blick

Durch meinen Traum latscht ein Dinosaurier mit seinen kurzen Armen. Ich arbeite in einem großen Gebäudekomplex, der sehr viele Glasfassaden hat. Mein kleiner Hund ist bei mir. Ich weiß, dass ein Dinosaurier nicht so wie im Kinofilm einfach durch die Häuser hindurch läuft, sondern das eher versuchen wird, mit seinem grossen Maul die Beute herauszuziehen und dann genüsslich zu vertilgen. Schließlich springen Pferde auch nicht freiwillig über Hindernisse. Beruhigen tut es mich aber nicht, denn ich habe auch gehört, dass Hunde gern auf dem Speisezettel der Dinosaurier stehen.
Mein Chef hat sein Büro tief im Inneren des Gebäudes. Ich gehe zu ihm, um ihn ueber die Bedrohungslage zu informieren. Sein Tipp: dem Dinosaurier tief in die Augen schauen, dann wuerde nichts passieren. Ich ordne diesen Ratsclag ganz oben in der Liste der unsinnigen Chefaeusserungen ein. Mein Kopf mag zwar zu gross geraten sein, auf Augenhöhe mit dem Rex befinde ich mich aber sicher nicht. Immerhin mein Hund darf bei ihm im Büro bleiben, waehrend ich mich in unheilvoller Stimmung meiner Arbeit widme.



Freitag, 26. Mai 2017

Frieda

26.5.2017 und die Zeit bleibt stehen,
ich habe ein Bild von Dir gesehen.
Diese Sekunde Ewigkeit hat mich
von meiner Imagination befreit.
Nun weiß ich, wer Du gewesen bist,
leider vergangen und so vermisst.

Montag, 22. Mai 2017

Ostsee


Fast zwei Wochen Ostsee sind bald vorbei. Kaum hat man hier die Tür aufgemacht, schon schließt man sie wieder hinter sich. Ich sah beim Aalangeln mit mein Hund zu, wie der zuvor gefangene Fisch nach drei Schlägen auf den Kopf sein Leben verlor und in einem Wassereimer landete. Immerhin erstickte er nicht wie die Fische, die auf hoher See mit dem Netz gefangen werden. Ich wunderte mich bei einem norddeutsch assimilierten Italiener darüber, dass ich die Zutaten meiner Pizza nicht frei wählen konnte.
Der Mann hatte es eilig und sagte das auch. Druck gibt es auch an der Kaesetheke im Supermarkt, auch hier drängt die Bedienung. Und dann die Preise: die Autofaehre zum Priwall
schlägt nicht nur für das Auto zu Buche, die Personen werden noch extra berechnet. Eine günstigere Hin - und Rückfahrt gibt es nicht. So fahren wir mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach Hause. Schlüssel in den Rückgabekasten der Touristeninfo und weg.

Mittwoch, 17. Mai 2017

36

36 Jahre ist es nun her, das ich ein Mädchen unter einem Torbogen nicht weit von meiner Wohnung traf. Es war unsere erste Verabredung und sie war durchaus vom Anblick meiner langen Haare nicht angetan. Ich kannte zudem kein Deo und pflegte meine Hemden durchaus auch mal auf dem Flohmarkt zu kaufen. Zudem trug ich eine sogenannte Batchkapp, eigentlich ein Beret, und eine Nickelbrille. Sie selbst war auch mit Jeans und einer hellen Jacke bekleidet. Unser Weg sollte uns nach Sachsenhausen führen. Das war mein Revier. Ihre Zurückhaltung deutete ich als Schuechternheid und fühlte mich befleißigt, durch den Abend und die Kneipen zu führen. Ihre Signale bemerkte ich nicht.  Sie jedenfalls war mobil. ich nicht. In ihrem Auto ging es von dribdebach nach hibdebach und im letzten Moment fiel es mir vor dem Aussteigen ein, sie zu mir einzuladen.
In meiner Erlebniskueche würde es einen Auflauf geben, den ich selbst fabrizieren wuerde. Wozu hatte ich schließlich einen Kochkurs besucht?

Montag, 15. Mai 2017

Auf's Land

Den Steiluferweg bei Brodten Richtung Travemuende zu gehen, das ist ein eingeschränktes Vergnügen. Bei der Menge an E-Bikes, die recht schnell und lautlos an Einem vorbei rauschen, ist der Naturgenuss ohne Stress kaum möglich.
Unserer Industrie sei dank, nun werden auch normale Wege zu Rennstrecken.
Längst haben auch die deutschen Autohersteller diesen Markt erkannt.
Immerhin abends hat man die Promenade in Niendorf für sich. Gestern trafen wir eine Dame, die nach Niendorf übersiedelt ist. Sie sei die ganze Küste abgefahren. Niendorf sei am besten, nicht touristisch überlaufen, ursprünglich geblieben. Das deckt sich mit meinem Eindruck. Wenn man in die Stadt will, dann meint das in erster Linie Travemuende. Da kennen wir uns nun besser aus und wissen vor allem, wo man umsonst parkt. Mit den zwei kleinen Chihuahua-Mischlingen der Dame hatte unser Hund jedenfalls die erste angenehme Hundebegegnung.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Verboten

Jedem Zauber liegt ein neuer Anfang inne. Hat der Urlaub erst einmal begonnen, ist er auch bald wieder zu Ende. In der Mitte stellst Du fest, Uraub hat seinen eigenen Alltag und es ist gar nicht so schlimm mit dem Ende. Immer wieder drängen sich Vergleiche mit dem Vorjahr auf. Doch wo ich letztes Jahr noch meinen Hund freie und teilweise naturbelassene Wiesen laufen lassen konnte, da befinden sich heute Großbaustellen. Das gilt für Niendorf genauso wie für Travemuende. Gebaut wird auch.in Timmendorf und Scharbeutz. Ausserdem sind die Strände mit Verbotsschildern gepflastert. Hunde dürfen im Sommerhalbjahr nur an den Hundestraenden an der Leine laufen. Niendorf hat nur einen einzigen ausgewiesen, es ist das schlechteste Strandstueck am Hafen.So bleibt einem nur, das Ganze zu ignorieren, was in der Vorsaison noch halbwegs ungefährlich ist.





















Dienstag, 9. Mai 2017

Klingelton

Ein Hundegesicht liegt an meinem Hals und ich habe Bauchschmerzen. Stunden später fahre ich durch die Morgensonne Ostwestfalens zur Autobahn, um dann im Nebel meiner Angst die letzten Mittelgebirge vor dem norddeutschen Tiefland talwärts zu durchqueren. Bei Hannover habe ich meine Barrieren durchbrochen. Ich liebe die zweispurige Betonpiste durch die Heide. So erreiche ich mein Ziel Bispingen. Wir kommen nach der Pause aber nur bis kurz hinter Hamburg weiter. Wegen eines Staus auf der Autobahn nach Lübeck verlassen wir diese an der Ausfahrt Stapelfeld. Was wegen einer Baustelle folgt, ist eine Fahrt über Land, die uns eine Annäherung an Lübeck von Sueden bringt. Über die Kronsforder Landstraße kommen wir in die Stadt, um dann festzustellen, dass die Fahrt nach Travemuende mautpflichtig ist. Hatten wir gedacht, früh in Niendorf zu sein, so war es dann doch schon Viertel nach Vier, bis wir an der Hermannshoehe einen viel zu teuren Kaffee bekamen. Denn
schleswig-holsteinische Orte kennen keine Cafes und wenn, dann darf da kein Hund rein.
Da unser Schlüssel fuer die FeWo anfangs nicht passte, dauerte es bis sechs Uhr, bis wir diese beziehen konnten. Sinnigerweise war die Servicenumer der Touristeninfo wg. eines Defektes der SIM-Karte nicht erreichbar.
Unsinnigerweise hätte ich mir als Entschädigung für meinen fehl geschlagenen Anruf einen Klingelton herunter laden dürfen.

















Montag, 8. Mai 2017

Regen

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. So auch wir,  die Route an die Ostsee führte mal wieder über Lemgo im Lipperland. Zuerst wollten wir für  unseren Hund ein Regencape kaufen. In der dortigen Filiale einer grossen Tiermarktkette hieß es dazu nur kurz, da hätten wir Pech, so etwas hätte man im Sommer nicht. Möglich, dass etwas am Lager sei, da könne man aber jetzt nicht ran. Entweder es regnet im Sommer nicht  oder Hunde brauchen im Sommer keinen Regenschutz? Meinen Einwand hätte ich mir sparen können.
Gut, dachten wir uns, dass wir bei derartigen Denkweisen nicht weiter auf die Idee kommen werden, uns in Lippe wohnhaft zu machen.

Dienstag, 2. Mai 2017

Reise, reise

Fahre Auto, müsste Zug nehmen.
Wollte fliegen, bleibe liegen.
So bin ich's, der das Leben nimmt,
nicht so sehr darüber bestimmt.
Statt bestechend mich zu vermehren,
mag ich vom Brot des Lebens zehren.
Andere mögen das bewerten,
das sind nicht die treuesten Gefährten.

Montag, 1. Mai 2017

Der muß hinaus! Der muß hinaus!

Der nachstehende Text erscheint in Bezug auf die heutige Zeit in aktuellem Licht.

»Der muß hinaus! Der muß hinaus!«

Antisemitismus in deutschen Nord- und Ostseebädern 1920–1935

von Michael Wildt aus der Publikation „Mittelweg 36“

Auszug

So erreichte den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.), 1893 als Abwehrverein gegen den Antisemitismus gegründet und zum Ende der Weimarer Republik mit rund 60 000 Mitgliedern und 555 Ortsgruppen neben den jüdischen Gemeinden die größte Organisation der Juden in Deutschland,7 im August 1920 folgender Bericht aus dem pommerschen Ostseebad Kolberg, das mit rund 40 000 Gästen 1925 zu den am stärksten besuchten Badeorten an der Ostsee zählte:

»Soeben aus dem Ostseebad Kolberg zurückkehrend, muss ich Ihnen von dem unglaublichen Antisemitismus Mitteilung machen, der das Bad beherrscht. Die mit Hakenkreuz geschmückten ›Herren‹ und Jünglinge stolzieren dort noch immer herum, als ob ihnen das Terrain gehört und als ob sie die Welt erobert hätten. Blutige Schlägereien zwischen Juden und diesem unanständigen Pöbel sind an der Tagesordnung.

Sollte die Regierung nicht dagegen einschreiten können? Einige dieser antisemitischen Herren suchen mit Willen belebte Etablissements auf, sind stark angetrunken und fordern durch ihr herausforderndes Betragen das jüdische Publikum direkt heraus. Vielleicht veröffentlichen Sie mal diese unerquicklichen Zustände. Vielleicht täte das jüdische Publikum besser, bei besserer Valuta die ausländischen Seebäder aufzusuchen,um diesen Pöbeleien zu entgehen.«

Zwei Jahre später berichtete ein anderer Badegast, daß die Strandkörbe in Kolberg mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen beschmiert würden, ohne daß die Badedirektion dagegen einschritte. 1925 beschwerte sich der in Kolberg ansässige jüdische Kinderarzt Dr. Jakobi, daß er und mehrere Bekannte, alles alteingesessene jüdische Bürger, in einer bekannten Gaststätte vom Besitzer gebeten worden seien, sich nicht wie üblich in das Weinzimmer, sondern in ein Hinterzimmer zu setzen, da ein betrunkener Gast antisemitisch pöbeln würde und der Gastwirt nicht gewillt sei, »auch in Rücksicht auf die Agrarierkundschaft«, seine jüdischen Gäste zu schützen.

»Wir erklärten, dass es u. E. nur zweierlei gäbe: entweder dulde er in seinem Lokal nur Leute, die sich anständig benähmen, (wenn er Wert darauf lege, ein erstklassiges Lokal zu haben) oder er mache es zum Tummelplatz Betrunkener – zur Spelunke. Da Herr Nettelbeck weiter versicherte, gegen diesen Herren machtlos zu sein, verliessen wir das Lokal .«

Der Generaldirektor der Betreibergesellschaft des Lokals bemühte sich umgehend, für den Vorfall zu entschuldigen. Ihm seien die Verhältnisse in Kolberg wohlbekannt, er habe auch einen Direktor dort bereits entlassen, weil dieser sich »immer auf die Seite dieser unangenehmen Leute gestellt« habe und es deswegen »mehrfach zu unliebsamen Scenen gekommen« sei.

Auch die Kolberger Ortsgruppe des C.V. schrieb, daß der Oberbürgermeister energisch gegen antisemitische Rüpeleien durchgreifen wolle und die Kurverwaltung in den vergangenen Jahren alles getan habe, um den »›Burgfrieden‹ nach Möglichkeit zu wahren und den Erholungssuchenden einen ungestörten Kuraufenthalt zu gewährleisten. Es ist demnach ganz unangebracht, Kolberg aus Furcht vor antisemitischen Unannehmlichkeiten zu meiden«. Aber der Schreiber des Briefes aus dem Jahr 1922 hatte beobachtet, dass sich die Kolberger Ortsgruppe »sehr defensiv« verhalte.

»Sie befürchtet nämlich, dass bei einem energischen Auftreten die jüdischen Badegäste, die Kolberg alljährlich aufsuchen, zu vertreiben und glauben, dadurch das Bad zu schädigen. Schreiber dieses [Briefes] ist gerade entgegengesetzter Ansicht: durch Aufdeckung der bestehenden Schäden wird vielleicht eher erreicht, dass unliebsamen Belästigungen vorgebeugt wird.«

Vom Ostseebad Kolberg wurde 1932 berichtet, daß etwa 90 Prozent der Badegäste Hakenkreuzler und Stahlhelmer seien. Obwohl die Badeverwaltung jedwede politische Demonstration verboten hatte, waren am Strand zahlreiche Hakenkreuzfahnen zu sehen. Und eine Gruppe von etwa 40 bis 50 Kolberger Nationalsozialisten war vor die Hotels gezogen mit dem Ruf »Juden raus«.








Donnerstag, 27. April 2017

Kolberg - Weihnachten 1941

Herr Weinert, Funker an Bord des deutschen Minensuchboots M 575 beschreibt
seine Eindrücke von Kolberg in seinem Tagebuch. 1941 lag die M 575 im Kolberger Hafen.
Quelle: Deutsches Marinearchiv 

Die Kolberger hielten fest an ihren urväterlichen Sitten und Gebräuchen und heiligten den Feiertag.

Wir wandern langsam durch die Straßen, atmen die feierliche Ruhe und den weihnachtlichen Frieden und
genießen immer wieder aufs Neue den eigenartigen Reiz dieser schönen, kleinen pommerschen Seestadt.
Hafenstädte haben alle ein doppeltes Gesicht. Während das eine hart und unverwandt auf See blickt,
schaut das andere gelassen und oft etwas gönnerhaft zurück ins bäuerliche Hinterland.
Diese Doppelnatur ist bei Städten, die ihre Kindschaft einem solch ungleichartigen Elternpaar verdanken,
nicht verwunderlich. Sie ist der natürliche Ausdruck einer so verschieden gearteten Erbmasse.
Sie gibt ihren Mauern das unterschiedliche Gepräge, bestimmt den wechselnden Pulsschlag ihres Lebens,
spiegelt sich wider in ihren Menschen und findet seinen Ausdruck im bunten Mythos ihrer weiten Seele.
Und es ist eine glückhafte Vereinigung. Sie enthält der Erde stille zähe Geduld, des Meeres harten Trotz.
Sie birgt den heiteren Frohmut knospender Blüten neben der schwermütigen Tiefe der See.
Sie paart der Wellen mildes Ungetüm mit der ruhigen Gelassenheit der Ebene, setzt der Liebe
zur angeborenen Scholle den frischen Drang der weiten Ferne entgegen und bringt des Meeres
ewigen Atem in steten Einklang zum Auf und Ab des Lebens, das doch immer nur eins sein kann: Ein Kommen und ein Gehen.


In einem unbekannten Land..

Mit dem Kotbeutel meines Hundes in einer Hand
lebe ich das Leben in einem ganz anderen Land.
Abseits von meiner Lust fühlt es sich an wie ein Gefühl von Frust.
Mit großem Karacho werde ich reisen,
selten um die Seele zu laben und speisen.
Den Kot meines Hundes, den werde ich entsorgen,
ein neues Leben kann ich nicht morgen.
So bleibt die Frage, es zu bewerten
und die Auswahl der vielen Fährten.

Mittwoch, 19. April 2017

Kirchberg

Ersticken werde ich bei "Bauer sucht Frau" oder auf der Autobahn vor Angst verrecken zwischen viel zu hoch gesteckten Zielen und bedeutungslosen Spielen.
Meine Unruhe will sich nicht glätten, Begehrlichkeiten tauchen auf und fetten. Ihr Lippenpiercing, das ist schön, auch sonst ist sie fein anzusehen.
Die Tattoos habe ich längst entworfen,
doch bin ich wohl so furchtbar alt ,ich mag das nicht mit dem Frieden im Wald.
Ein Ohrring wurde
da gelassen und um Schluss ich allein

Samstag, 15. April 2017

Vermutlich Berlin

Irgendetwas hatte mich aufgehalten. In der Stadt mit den vielen großen bunten Häusern wollte ich jemanden anrufen. Wie schon so oft hatte ich das Gefühl und tat es doch nicht. Breite Straßen, obwohl ich zu Fuß ging, kam ich gut voran. Dennoch war meine Verspätung beträchtlich, als ich zuhause an kam. Mutter konnte das nicht tolerieren, war nicht zu sehen. Besuch war da, Vater sagte nur, ich solle mir einen Kaffee nehmen, Junge.

Dienstag, 11. April 2017

Unsere schöne Gegend

Lipper können freundliche Menschen sein. Unser Bankmensch bei der örtlichen Sparkasse jedenfalls war es, auch wenn er uns die unvermeidliche Frage stellte, was wir denn in Lemgo machen und warum wir aus unserer schönen Gegend nach Lemgo ziehen wollen. Das Objekt, für das wir uns interessiert haben, war natürlich schon verkauft. Er aber stellt uns ein neues Objekt vor. Es war noch nicht notariell beurkundet und somit auch noch nicht im öffentlichen Vertrieb. Eine tolle Chance für uns, endlich zu einer Reservierung zu kommen.
Später hatte ich dann noch ein Gespräch beim Friseur, der wie sich heraus stellte, in Lippe auch nur zugezogen war. Der Liebe wegen, wie er sagte. Durch diese Liebe habe er auch Kontakte und Freunde. Ganz allein könnte es damit schwierig werden.
Schwierig gestaltete sich auch der Service bei einem örtlichen Optiker.
Meine Frau wollte sich hier ihre Brille richten lassen, die nicht mehr richtig saß.
Der Herr meinte, die Brille sei aber nicht von ihnen. Wenn er da jetzt dran gehe, würde er sie womöglich kaputt machen.
Es sei besser, dorthin zu gehen, wo man sie gekauft habe. Der Hinweis meiner Frau, wir seien nicht von hier und das sei daher nicht möglich, erweichte ihn auch nicht. Unverrichteter Dinge verließ sie den Laden. Unser Optiker in Frankfurt hatte für dieses Erlebnis nur ein Kopfschütteln übrig.

Mittwoch, 5. April 2017

Tram-Traum

Ich fahre auf so etwas wie einer Straßenbahn oben mit. Warum gerade oben? Bin auf dem Weg, will das Zimmer meines Bruders noch mal sehen. Er ist verstorben. Was verspreche ich mir davon? Das ich irgend etwas finde, was mir zeigt, wie er zu mir wirklich zu mir stand? Oder geht es mir nur um letzte Spuren unserer Familie?
Ich weiß es nicht.

Montag, 3. April 2017

Denke nie

Im Lauf der Zeit wird es Dir klar,
dass alles nichts gewesen war.
Und auch in Zukunft wird nichts sein
und das erhöht des Lebens Pein.

Mittwoch, 29. März 2017

Ostwestfalenstraße

Die Ostwestfalenstraße, auch lippische Bauernautobahn genannt, ist wegen Umbaus bis zum Jahresende zwischen Steinheim und Blomberg gesperrt. Diese Straße war bislang eine der wenigen, wo ich so etwas wie Freude am Fahren hatte. Man konnte sie zügig fahren und war trotzdem nicht ständig zum Überholen genötigt. Der Grund für den Umbau ist nun, dass es so viele schwere Unfälle mit LKWs gab. Das liegt nun einfach daran, dass die Damen und Herren Raser eben auch dummerweise dort überholen, wo keine Sicht ist. Die Straße ist normalerweise bereit genug für einen Überholer mit Gegenverkehr. Ist der Gegenverkehr jedoch ein LKW, der nicht ganz links fährt, wird es eng.  
Statt die Straße nun durch Tempolimits und deren entsprechende Überwachung an den berüchtigten Stellen zu entschärfen, nimmt man nun wieder Geld in die Hand, um sie raserfreundlicher zu machen. Sie wird sie also wieder verbreitert und damit großen Teilen zu mindestens in eine Richtung zulasten eines Randstreifens zweispurig. Das ist leider der falsche Ostwestfalenweg, so falsch wie die gesamte Landschaft fressende Verkehrsplanung in Deutschland. (Man schaue sich nur die Autobahnbauwerke zwischen Aschaffenburg und Würzburg an.) 
Und es wird die Unfallzahl kaum reduzieren, denn nach dem Umbau kann noch schneller gefahren werden.

Samstag, 18. März 2017

Kolberg 1945 - Augenzeugenberichte

Kolberg, 1. März 1945 –

Ein neuer Kommandant

Wehrmachtsoberst Fullriede wird zum neuen Kommandanten für Kolberg eingesetzt.

Die katholische Ordensschwester Godehardis St. Martinsbad in Kolberg berichtet in ihrem noch im April 1945 niedergeschriebenen Manuskript: "Kolberg stand schon seit Monaten im Zeichen der immer näher kommenden Front. Aufgeregte Stimmung überall."

Die Stadt Kolberg, die rund 35 000 Einwohner zählt, wurde rasch zum Sammelbecken; innerhalb weniger Tage war die Stadt auf über 85 000 Einwohner angeschwollen. Die Zufahrtsstraßen lagen bereits unter Artilleriebeschuß, die Züge, soweit sie noch fuhren, waren überfüllt. Schwester Godehardis erinnert sich: "Das Massenelend ostpreußischer Flüchtlinge erhöhte die Panikstimmung in Kolberg." Am 3. März erhält Fegattenkapitän Kolbe, der zuständige Marineoffizier beim Wehrbezirkskommando Kolberg, den Befehl für den Abtransport der Zivilbevölkerung über See.

Kolberg, 4. März 1945 –

"Der Kessel ist zu"

Die letzten Züge verließen die Stadt in den frühen Morgenstunden des 3. März. Schwester Godehardis notiert in ihrem Bericht: "Sonntag, den 4. März morgens um 4 Uhr ging ein Flüstern durch die Reihen: ,Der Kessel ist zu, es kommt kein Zug mehr durch.’"

Oberst Fullriede will die Stadt halten, damit die Zivilisten über den Seeweg gerettet werden können. Ihm standen etwa 3200 Männer zur Verfügung – darunter teils reguläre Wehrmachtssoldaten, teils Volkssturm, teils jugendliche Militärhelfer. Den deutschen Verteidigern gegenüber stand ein Mehrfaches an russischen und polnischen Soldaten.

Bei der Marine hat Fregattenkapitän Kolbe den ersten Konvoi zusammengestellt. Auch in den bereits vergangenen ersten Märztagen hatten immer wieder Frachter, Dampfer und Boote aller Größen Flüchtlinge gen Westen transportiert. Doch am 4. März startet der erste organisierte Schiffsverband mit insgesamt 2200 Flüchtlingen. In diesem Takt sollte es nun jeden Tag weitergehen. Noch am 4. März bricht in der Stadt auch die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser zusammen. Der Wehrmachtssoldat Ernst-August Dumtzlaff, der selber aus Hinterpommern stammt, hat jene Tage miterlebt und seine Erlebnisse später niedergeschrieben: "Nun stehe ich hier an der Panzersperre in der Körliner Straße in Kolberg, die Gedanken gehen zurück an den Marsch auf der Straße nach Kolberg."

Kolberg,

5. März 1945

Soldat Dumtzlaff liegt mit zwei Kameraden auf Posten im letzten Haus der Körliner Straße, es ist am äußersten Rand der Festung. Im Haus gegenüber sind ebenfalls deutsche Soldaten. Plötzlich geschieht in den frühen Morgenstunden etwas Unerwartetes. Statt der Russen taucht ein Flüchtlingstreck auf, heil kommt er an der Absperrung vorbei. Wenige Augenblicke später: Lautes Krachen – die sowjetische Artillerie feuert in die Stadt. Der Beschuß wird heftiger, auch die deutschen Panzersperren am Stadtrand werden ins Visier genommen. Die Häuser werden mehrfach getroffen. Erstmals tauchen noch in sicherer Entfernung auch sowjetische Panzer auf, die durch die deutsche Artillerie beschossen und wieder vertrieben werden. Das feindliche Feuer wird noch stärker. "Wir rechneten jeden Augenblick mit einem sowjetischen Infanterieangriff", so Dumtzlaff.

Dann geht es los: Die Russen greifen an, deutsches Abwehrfeuer schlägt sie zurück. Doch kurz danach der zweite Angriff. Die Panzersperre war inzwischen erheblich getroffen worden. "Ringsherum die Einschläge der Granaten, das Krachen einstürzender Häuserwände. Die Hölle war ausgebrochen. Unter dem Schutz des Granathagels griff der Feind erneut an. Am Nachmittag gelang es den Russen, die Panzersperre zu erobern. Der Häuserkampf begann", schreibt der Augenzeuge.

In den nächsten Tagen sollte in den Straßenzügen erbittert um jedes Haus gekämpft werden. Auch der Soldat Ernst-August Dumtzlaff hat diese schweren Stunden erlebt: "In der Nacht zogen wir uns um einige Häuser zurück. Der Frontverlauf war sehr undurchsichtig geworden. Von See hörten wir Abschüsse schwerer Artillerie, es war wohl die uns zugesagte Marineunterstützung eingetroffen. Wir faßten wieder etwas Mut. Es entbrannte der Häuserkampf in unerbittlicher Härte. Unter Androhung von Gewalt mußten wir deutsche Zivilisten aus ihren Kellern holen." Trotz des Beschusses gelingt es an diesem Tag, etwa 5 000 Flüchtlinge über den Seeweg gen Westen zu transportieren.

Kolberg, 12. März 1945

Am frühen Morgen ertönt aus Lautsprechern erneut die sowjetische Aufforderung nach Aufgabe des Kampfes. Landser Dumtzlaff berichtet, daß erstmals polnische Soldaten auftauchten, die in die Stadt eindringen wollten.

Sanitäter, Ärzte und Schwestern haben alle Hände voll zu tun. Das Lazarett ist voll belegt. Die beiden Chirurgen vermögen kaum ihre Arbeit zu tun, einmal operieren sie 52 Stunden nacheinander, notiert Schwester Godehardis. Die Verwundeten und das Sanitätspersonal erleben hautnah, wie die Front Meter für Meter dichter kommt. Den Höllenlärm der Stalinorgel, das Heulen der Granaten und das Geknatter der Maschinengewehre, all das ist auch im Lazarett gut zu hören.

Kolberg, 15. März 1945

Festungskommandant Fullriede hat die Lage noch unter Kontrolle, noch hält die Hauptkampflinie. Da die Stadt nun fast von allen Flüchtlingen geräumt ist, befiehlt er, daß in der Frühe die Schwerverwundeten abtransportiert werden sollen.

Alles klappt, die Verwundeten, das Lazarettpersonal und die Ordensschwester werden von einer Fähre zum deutschen Zerstörer "Panther" gebracht. Die Ordensschwestern vom Martinsbad werden auf Umwegen über Rügen am 20. März in der Morgenfrühe ihr Mutterhaus im Münsterland erreichen.

Kolberg, 18. März 1945

In der Nacht zum 18. März bereiten sich alle noch in Kolberg verbliebenen Wehrmachtssoldaten, Matrosen, Volkssturmmänner und alle sonstigen Verteidiger auf die Evakuierung vor. Der Abtransport der Zivilisten ist abgeschlossen. Oberst Fullriede sieht nach der Rettung der Zivilisten seine Ausgabe als erfüllt an und befiehlt den Rückzug.

Nachdem es in den Morgenstunden des 18. März mehrfach falschen Alarm gegeben hat, nähern sich Boote sowohl der Mole auch einem offenen Strandabschnitt, der sogenannten Maikuhlenseite. Dort nimmt ein Boot Matrosen und Volkssturmmänner an Bord und rauscht mit Volldampf wieder auf die hohe See zurück.

Das Molengelände liegt jetzt unter schwerstem Beschuß. "Was sich hier abspielte war unbeschreiblich. Jeder wollte der erste sein. Von der Mole führten nur schmale Stege zur Anlegestelle des Bootes. Auch durch den Gefechtslärm hörte man die Hilfeschreie durch die Nacht." Soldat Dumtzlaff wird gerettet. Das Boot bringt ihn an Bord eines deutschen Zerstörers. "Die feindlichen Batterien versuchten mit ihren Geschossen den deutschen Zerstörer zu erreichen. Alle Einschläge lagen zu kurz. Der Zerstörer selbst legte sein Vernichtungsfeuer auf die Stellungen des Feindes." Der völlig erschöpfte pommersche Soldat schläft an Bord sofort ein.

Insgesamt retten die Boote in den frühen Morgenstunden rund 2000 Verteidiger. 350 deutsche Soldaten gelingt jedoch der Rückzug nicht mehr, sie müssen sich in Gefangenschaft begeben. Oberst Fullriede will mit seinem Stab erst möglichst spät die Stadt verlassen. Zum Schluß, als die polnischen und sowjetischen Infanteristen bereits den Hafen und die Mole erobert hatten, führt er den ihm verbliebenen Haufen noch von einem Befehlsstand vom Strand aus. Doch bald gibt es auch hier kein Halten mehr, Fullriede und die letzten Männer retten sich mit einem Schlauchboot auf die Ostsee.

Freitag, 17. März 2017

Kolberg 1945 - Gefechtsbericht

Nachstehend der bisher auf meiner Arcor-Homepage veröffentlichte Bericht eines deutschen Offiziers (vermutlich des Festungskommandaten Fullriede)

Gefechtsbericht über die Belagerung Kolbergs vom 4.3.-18.3.1945

I.
Im November 1944 begann die Erkundung zum Ausbau der Stadt Kolberg als Festung. Es wurden drei Verteidigungsringe festgelegt, von denen der Ausbau der Stadtrandsiedlung Anfang Februar 1945 durch Stellv.Gen.Kdo.II A.K. befohlen wurde. Am 26. Januar wurde der Festungsstab Kolberg aufgestellt. Es wurden in Angriff genommen ein Panzergraben und Infanteriestellungen. Die Durchführung der Stellungsbauarbeiten litt sehr unter dem Mangel an Arbeitskräften. So waren am 1.3. bei Eintreffen des neuen Festungskommandanten, Oberst Fullriede, von den vorgesehenen und in Angriff genommenen Stellungsbauten lediglich ein Teil des Panzergrabens und der Infanteriestellungen sowie 16 behelfsmäßige Stellungen für schwere Wurfkörper (28cm) ausgebaut.
Die Festung war zu dieser Zeit verpflegungsmässig zu 85%, munitionsmässig lediglich für schwere Wurfkörper und Flak bevorratet. Erst am 6. und 7.3. trafen über See 100 Tonnen Munition aller Art ein. An Truppen standen am 1.3. zur Verfügung:
1 Bat. des Feldausbildungs-Regiments Pz.A.O.K. 3 mit Regimentseinheiten und Reg.Stab ein nur teilweise bewaffnetes Volkssturmbat., ein Volkssturmwerferzug und Teile der Flak-Abteilung Heinzel. Am 2.3. trafen 8 Geschütze l.f. H 18 ohne Bedienung, Protzen und Bespannung ein. Protzen wurden aus den Gerätelagern Kolberg beschafft. Um wenigstens eine Batterie feuerbereit zu machen, wurden von der 2.G.-Komp. zwei Beobachter und fünf Richtschützen und Kanoniere zur Stabskompanie versetzt. Die fehlende (Batterie?) durch Volkssturm aufgefüllt. Am 3.3. kam das Festungs-M.G.Bat.51(M.) hinzu. Am 4.3. der Panzerzug König. Nach Beginn der Kämpfe wurde aus Versprengten das Bat. Hempel aufgestellt.

Seit Ende Januar setzte ein ununterbrochener Flüchtlingsstrom ein. Die Bevölkerungszahl stieg von 35.000 auf 85.000 Einwohner. Der Bahnhof war zu dieser Zeit mit Zügen überfüllt. Ein Abfluss nach Stettin fand nur in ganz geringem Maße statt, sodass sich die von Köslin und Belgard kommenden Züge vor der Stadt stauten. Die Eisenbahn teilte auf Anfragen mit, dass Stettin Züge nicht annehmen könne. So standen seit Beginn der Einschließung 22 Züge mit Flüchtlingen, Verwundeten und Material aller Art auf der Strecke von Belgard nach Kolberg.
Bei der ersten Aufforderung durch den neuen Festungskommandanten am 1.3. für den Abtransport der Zivilbevölkerung zu sorgen, erklärte der Kreisleiter, dass ihm ein diesbezüglicher Befehl des Gauleiters nicht vorliege. Eine nochmalige Aufforderung am 2.3. hat ebenfalls keinen Erfolg gehabt. Darauf erhielt der Kreisleiter am 3.3. um 20 Uhr vom Festungskommandanten den Befehl, die Flüchtlinge zum unverzüglichen Verlassen der Festung aufzufordern. Zu dieser Zeit war ein Abfließen der Trecks über die Strandstrasse nach Gribow noch möglich.

II.
Aufgrund einer Feindorientierung durch Kampfgruppe Tettau wurde am 3.3. abends die Besatzung alarmiert und am 4.3. früh ein Spähtrupp entsandt, der um 4 Uhr bei Rossenthin erstmalig auf den Feind stieß. Um 5 Uhr erreichten feindliche Panzer und Infanterie Sellnow. Damit war die Wasserversorgung aus dem Wasserwerk Koppendieksgrund abgeschnitten. Gegen 7 Uhr erreichte der Feind den Stadtrand von Geldervorstadt.
Mit der Meldung von der ersten Feindberührung wurde am 4.3. um 4 Uhr das Standrecht verhängt. Ein Versuch, durch die zuständigen Instanzen, Ordnung in den zivilen Sektor zu bringen, misslang. Darauf wurden um 16 Uhr dem am 27.2. eingetroffenen Kreiskommandanten SS-Oberführer Bertling sämtlich nicht militärische Dienststellen unterstellt. Weiterhin wurden zur Erhöhung der Abwehr und Kampfbereitschaft sämtliche Versprengten durch Offz. Polizei und Feldgendarmeriestreifen einer Sammelstelle zugeführt, Waffen und Gerät gesammelt und daraus das Bat. Hempel, die Artilleriegruppe Schleiff sowie die Panzergruppe Beyer aufgestellt. Die Panzergruppe bestand aus vier Hetzern, die als Schadpanzer von der Division Holstein nach Kolberg zur Instandsetzung abgeschoben waren.
Der erste Panzervorstoß des Feindes wurde am 4.3. durch 2 Flak-Geschütze und 6 Werfer des MG-Bat. in der Geldervorstadt abgewiesen. Der Feind zog sich daraufhin zunächst nach Karlsberg zurück. An diesem und am folgendem Tag fühlten sie nur mit schwächeren Panzer- und Infanteriekräften entlang der Treptower und der Körliner Straße gegen die Stadt vor. Durch Artillerie, schwere Wurfkörper, Flak und Panzervernichtungstrupps wurden die Vorstöße abgewiesen, wobei die ersten vernichtet wurden.
Da die Straßen von Köslin und Belgard noch frei sind, strömen immer neue Flüchtlingstrecks in die Stadt. Sie können nur auf den Strandweg nach Gribow weitergeleitet werden, jedoch auch hier nur unter Gefährdung durch einzelne Panzer. Um vor allem die Eisenbahnstrecke nach Westen frei zu bekommen, sowie die Strasse nach Gribow zu sichern und einen stärkeren Abschub von Flüchtlingen zu ermöglichen, wird für den 6.3. ein Vorstoß beiderseits der Treptower Strasse auf Neuwerder, Neugeldern und Karlsberg befohlen. Der Angriff begann um 6 Uhr und erreichte um 6.36 Uhr den Südrand von Neugeldern, mittags Neuwerder. Karlsberg konnte gegen überlegene feindliche Panzerkräfte, die in Altwerder, Sellnow und später auch in Neuwerder auftauchten, nicht genommen werden. Infolgedessen blieb die Treptower Strasse und die Eisenbahnlinie nach Treptow unter Feindbeschuss. Lediglich die Strasse über Gribow nach Westen blieb durch das Zurückdrängen des Gegners zunächst offen. In der Annahme, dass diese Strecke auch weiter westlich noch offen sei, wurden die Flüchtlinstrecks auf ihr abgeschoben. Eine diesbezügliche Funkanfrage über Feindlage nördlich Stettin blieb von Stettin unbeantwortet.

Im Laufe der Nacht zum 7.3. und in den ersten Morgenstunden des 7.3. stieß der Feind westlich und ostwärts der Stadt endgültig bis zur See vor, sodass der Einschließungsring nunmehr geschlossen war. Um 15.35 Uhr wurde durch Funkspruch vom O.K.H. das weitere Freikämpfen einer Abschubstrasse nach Westen verboten und der Befehl gegeben, die eigenen Kräfte zusammenzuhalten, um den Abtransport der Bevölkerung über See zu schützen. Gegen Abend stieß der Feind mit Panzerunterstützung entlang der Treptower Strasse bis in die Geldervorstadt. Das Bat. Hempel riegelte sofort mit einer Kompanie an der Stettiner Strasse ab. Die Feindverluste sind hoch. Jedoch gelingt es nicht, einzelne bis an die Ecke Kamminer und Treptower Strasse vorgedrungene Feindgruppen wieder herauszuwerfen.

In den frühen Morgenstunden des 8. März verlegt der Feind den Schwerpunkt seines Angriffes von der Treptower Straße an die Lauenburger Vorstadt, wo er sich unter starkem Feuerschutz mit Panzern und Infanterie über die Persantewiesen entlang der Körliner Strasse gegen die Panzersperre am Stadteingang vorschiebt. Jedoch gelingt es ihm nur, die Panzersperre im Laufe des Tages in seine Hand zu bringen.

Inzwischen hat der Gegner ringsum die Stadt immer neue Batterien aufgefahren. Zum Schluss wurden mindestens 20 schwere Batterien festgestellt, dazu Stalinorgeln und Granatwerferverbände schweren Kalibers. Mit ihnen eröffnet der Feind ein sich ständig steigerndes Feuer auf alle Teile der Stadt, besonders auf Hafen und Bahnhof sowie auf die Frontlinie. Die Verluste der eigenen Truppen sowie der Zivilbevölkerung in der Stadt sind erheblich. Es machen sich Anzeichen einer beginnenden Panik bemerkbar. Um den Abtransport zunächst der Frauen und Kinder zu sichern, sind härteste Maßnahmen erforderlich. Gegen Plünderer und Drückeberger muss mit exemplarischen Strafen vorgegangen werden. In der Versorgung wird der Mangel an Trinkwasser immer spürbarer. Nach ständigem Drängen des Einsatzleiters der Kriegsmarine für den Abtransport der Zivilbevölkerung, Freg. Kpt. Kolbe, lief die Gestellung von Schiffsraum mehr und mehr an und ergab täglich wachsende Erfolge.

Am 9. März gelang dem Gegner ein Einbruch in die Lauenburger Vorstadt. Um den Georgenfriedhof und die Gasanstalt wechselten ständige Angriffe und Gegenangriffe. Im Westen wurde ein starker Angriff gegen die Stellungen des Volkssturmbat. Pfeiffer abgewiesen. Ein eigener Gegenangriff an der Treptower Strasse durch Lt. Hempel mit Teilen seines Bat. brachte einen vollen Erfolg und eine Beute von 24 schweren Waffen. Eigene Schiffsartillerie unterstützte die Abwehr durch wirksames Feuer auf die Bereitschaftsräume des Gegners, wobei der Feind starke Verluste an Panzern und Infanterie hatte.

Am 10.3. verschob der Feind den Schwerpunkt seines Angriffes nach Osten und Südosten an die Bahnlinien nach Köslin und Körlin. Von Panzern und Pak unterstützt, konnte er seinen Einbruch in der Lauenburger Vorstadt nach Osten erweitern und in die Waldenfels-Kaserne eindringen. Die Georgenkirche musste, um dem Feind nicht den Turm als B.-Stelle zu überlassen, durch einen Stosstrupp in Brand gesetzt werden. Ständige, von Panzern unterstützte, Feindangriffe gegen die Abschnitte des Volkssturms im Westen und des Bat. Hempel im Südwesten werden immer wieder im Nahkampf abgewiesen. Von sieben Brücken über Persante und Holzgraben waren zu dieser Zeit bereits vier zerstört.

Am 11.3. Fesselungsangriffe an der gesamten Front, überall von Panzern unterstützt. Der Schwerpunkt des Angriffs lag in der Lauenburger Vorstadt, wo der Gegner jedoch nur in die ersten Häuser eindringen kann. Wegen Fehlens eigener Pak ist es ihm möglich, Haus um Haus systematisch mit Panzern und Pak zu zerschießen und sich nach Ausfallen der Besatzung mit Infanterie weiter vorzuschieben. Die eigenen Panzer der Panzergruppe Beyer sind ständig reparaturbedürftig und kaum einsatzfähig. Sie müssen z. T. in ihre Stellungen geschleppt werden, wo meist in kurzer Zeit ein Schaden an der Abzugsvorrichtung oder am Fahrwerk auftritt.

Am 12.3. morgens setzt nach schwerstem Art.-Beschuss in der Lauenburger Vorstadt ein neuer schwerer Angriff des Feindes ein. Dem Gegner gelingt vom Georgenfriedhof aus ein Einbruch nach Norden über die Kösliner Chaussee. Drei Gegenangriffe bleiben erfolglos. Die Ostfront wird mit Einbruch der Dunkelheit auf eine neue Linie längs der Wallstrasse zurück genommen. Hinter dieser neuen Front wird im Verlauf der Nacht aus den letzten verfügbaren Reserven eine 2. Linie aufgebaut. Im Westen und Südwesten wurden an diesem Tage insgesamt sechs von Panzern unterstützte Feindangriffe unter beiderseits hohen Verlusten abgewiesen.

Am 13.3. greift der Feind im Westen an der Maikuhle sowie in der Gelder Vorstadt und im Osten an der Waldenfelsschanze mit starken Kräften an. Der Angriff an der Maikuhle wird vom Volkssturm, der in der Gelder Vorstadt durch Teile des Bat. Hempel im Nahkampf abgewiesen. Im Osten gelingt dem Gegner ein tiefer Einbruch, der ihn in den Besitz der Gasanstalt
und des Lokschuppens bringt. Der Einbruch wird im Gegenstoß unter Einsatz von zwei Panzern abgeriegelt. Am Abend muss der Volkssturm an der Maikuhle wegen der starken Ausfälle der letzten Tage in eine verkürzte Linie zurückgenommen werden.

Am 14.3. setzt beim Morgengrauen an der gesamten Front bei außergewöhnlich starkem Artilleriefeuer aller Kaliber, dabei starkem Panzer-, Pak-, Salvengeschütz- und Granatwerferfeuer, ein neuer konzentrierter Großangriff ein. Er führt zu tiefen Einbrüchen an der Maikuhle, in die Kaserne der Gelder Vorstadt, aus der Lauenburger Vorstadt in das Stadtinnere und am Gleisdreieck westlich Lokschuppen, die nur mit Mühe abgeriegelt werden können. Ein weiteres Einsickern des Feindes in die eigenen Linien kann wegen hoher eigener Verluste nicht verhindert werden. Die eigene Truppe leistet trotz ihrer körperlichen und seelischen Erschöpfung und trotz ihrer Ausfälle erbitterten Widerstand. Gegen 14 Uhr ist der Druck des Feindes aufgefangen und die eigene Front, wenn auch oft nur stützpunktartig und zunächst noch unübersichtlich, wieder hergestellt. Um 15.30 Uhr fordert das polnische Armee-Oberkommando den Festungskommandanten auf dem Funkwege zur Übergabe auf. Die Antwort lautet: „Kommandant hat Kenntnis genommen.” Auf eine zweite Kapitulationsaufforderung um 16 Uhr wurde nichts geantwortet. Unter dem Eindruck seiner am Vormittag erlittenen starken Verluste setzte der Feind seinen Angriff am Spätnachmittag zunächst nicht fort. Stattdessen lagen Stadt und Hafen unter dem konzentrierten Feuer aller Waffen. Erst mit Einbruch der Dunkelheit führte der Gegner einen durch schwere Waffen unterstützten Gegenangriff gegen die Waldenfelsschanze, der in 2 1/2-stündigem schweren Kampf abgewiesen wurde.

In der Nacht zum 15.3. bricht der Feind am Gleisdreieck ein und kann erst am Ostrand des Bahnhofes aufgefangen werden. Ein eigener Gegenstoß führt nur noch zur Festigung der neuen Widerstandslinie, jedoch nicht mehr zur Bereinigung des Feindeinbruches. Im Laufe des Vormittags trifft auf Reede das Alarmbat. Kell (I. Fest.-Regt. 5) ein. Der Festungskommandant entschließt sich, das Bat. nicht mehr zu landen, da die Besatzung inzwischen auf einen so schmalen Streifen am Strand und Hafen zusammengedrängt ist, dass sich keinerlei Verteidigungsmöglichkeiten mehr bieten und der Einsatz des Alarmbat. keine Entscheidung mehr, sondern nur noch eine Verzögerung bringen kann. Bevor jedoch dieser Befehl die auf der Reede liegenden Schiffe erreichte, waren am Spätnachmittag bereits zwei Kompanien des Bat. gelandet, die nunmehr sofort eingesetzt wurden. Der Einsatz dieser frischen Kräfte an diesem und dem folgenden Tage erfüllte jedoch nicht die Erwartungen, die daran geknüpft wurden. Er brachte nur geringe Entlastung, da die eigene Truppe nicht an den Straßenkampf gewöhnt war und sich nur schwer in den Trümmern der brennenden Stadt zurechtfand. Das Bat. hatte unverhältnismässig hohe Ausfälle. Die beiden Kompanien besetzten zunächst eine Widerstandslinie nördlich des Bahnhofs und drückten von dort aus gegen die Innenstadt vor. Zugleich ging rechts davon eine Kampfgruppe aus der Linie  Gradierstrasse nach Osten vor, um den über den Kaiserplatz vorgedrungenen Feind zu werfen und die am Vormittag verloren gegangene Luisenstrasse wieder zu nehmen. Jedoch gelang nur die Säuberung des Bahnhofsgeländes und die Wiederinbesitznahme des Nord- und Westrandes des Kaiserplatzes. Unter dem Schutz dieser Linie konnten in der Nacht die letzten Frauen und Kinder eingeschifft werden. Infolge des tiefen Einbruchs vom Osten her in die Innenstadt musste das Bat. Hempel in der Nacht auf das Ostufer der Persante zurückgenommen werden. Die Verbindung mit dem Volkssturm und der Marine-Abt. Prien auf dem Westufer blieb erhalten.

Am 16.3. belegte der Feind das kleine, noch in eigener Hand befindliche Stadtgebiet mit einem pausenlosen schweren Feuer aller Kaliber. Innerhalb der Stadt gelang es ihm nur durch systematisches Inbrandschiessen und Zerstören der Häuser durch Panzer und Pak, die Trümmer einiger Blocks in Besitz zu nehmen. Von Panzern unterstützte Angriffe gegen die Maikuhle und südlich Waldenfelsschanze wurden, teilweise im Gegenstoß, abgewiesen. Am Mittag wurden der Stab und die 3. Komp. des Bat. Kell gelandet und damit im Zuge der Moltkestraße eine neue Widerstandslinie aufgebaut. In der Nacht vom 16. zum 17. wurden Eisenbahner, O.T.-Arbeiter, männliche Zivilpersonen und unbewaffnete Männer abtransportiert. Entgegen den Erwartungen, dass der Feind am 17. morgens zum letzten Stoss ansetzen würde, beschränkte er sich auf ständig steigende Feuertätigkeit aller schweren Waffen. Erst am Spätnachmittag griff er ostwärts des Bahnhofs mit Unterstützung von vier Panzern an und durchbrach unsere dünne Linie. Nur dem zögernden Nachdrängen der feindlichen Infanterie war es zu verdanken, dass unsere Front sich wieder auffing.

Mit dem Abtransport der Frauen und Kinder sowie der unbewaffneten Organisationen, Schlüsselkräften und sämtlicher Zivilisten war der am 7.3. durch Funk vom O.K.H. gegebene Befehl erfüllt. Der selbstverständliche Auftrag für jede Festungsbesatzung, Feindkräfte zu binden, konnte nur noch bis zum letzten Morgen des 18.3. erfüllt werden. Bis dahin war durch das Zusammendrängen der Besatzung auf einen 1800 m langen und 400 m breiten Strandstreifen, durch die zahlenmäßig schwache Besatzung, ihre völlige körperliche und seelische Schwäche, durch den Ausfall der letzten eigenen Panzer und des größten Teiles der schweren Waffen, sowie durch die in dem schmalen, noch gehaltenen, Strandstreifen sich besonders stark auswirkende artilleristische Überlegenheit des Feindes, die Vernichtung der Restbesatzung mit Sicherheit zu erwarten. Daher entschloss sich der Festungskommandant am Nachmittag des 17.3., auf eigene Verantwortung und ohne Befehl, zu versuchen, unter Belassung von kampfstarken Sicherungen bis zum Morgen des 18. die Kampfbesatzung in der Nacht vom 17. zum 18.3. über See abzusetzen und damit zu erhalten.

Noch vor Beginn der Absetzbewegung erfolgte am späten Abend des 17. ein Angriff des Feindes gegen die Waldenfelsschanze, die verloren ging. Damit beherrschte der Feind durch Pak und Panzerfeuer den gesamten Strandstreifen ostwärts der Persante, die Hafenausfahrt und die Feuerstellung der restlichen eigenen Artillerie. Die Absetzbewegung erfolgte unter dem massierten Feuer der schweren Feindwaffen. Deshalb konnte der Feind mit Infanterie nur schwach nachdrücken. So konnten sich auch die letzten Sicherungen kämpfend vom Feind lösen. Am 18.3. 6 Uhr 30 waren Strand und Mole von eigenen Truppen geräumt.

III.
Der erste Angriff auf Kolberg erfolgte von russischen Panzerverbänden, die von Süden hervor stießen. Nachdem es ihnen nicht gelungen war, Kolberg im ersten Sturm zu nehmen, wurden sie durch polnische Verbände der 3., 4., und 6. polnischen Infanteriedivisionen verstärkt durch Panzer, Werfer und Art. Verbände verstärkt, darunter das 4. russ.Pz.Art.Rgt. . Die Feindpanzer hatten größtenteils deutschsprechende Besatzung, die ihren Funkverkehr in deutscher Sprache führten.

Diesen starken Feindverbänden standen auf unserer Seite nur mangelhaft bewaffnete und eilig aufgestellte Kampfgruppen gegenüber. Diese wurden zudem behindert durch eine schwer zu übersehende und zu erfassende Menge fremder Trossteile, die meist die geringste Disziplin und Kampfmoral zeigten. Die Strassen und Häuser waren überfüllt mit in der Stadt angestauten Flüchtlingstrecks. Erst dem tatkräftigen Eingreifen des Kreiskommandanten SS-Oberführer Bertling, gelang es nach und nach, Ordnung in dieses Durcheinander zu bringen. Die sich herumtreibenden Soldaten wurden aufgefangen, soweit brauchbar, in die kämpfende Truppe eingereiht, die übrigen entwaffnet und zu Arbeitsdiensten herangezogen, namentlich zu systematischen Verbarrikadierungen sämtlicher wichtigen Straßen und Plätze. Zu der  Panikstimmung in der Zivilbevölkerung, hervorgerufen durch den pausenlosen Art.-Beschuss trat eine hohe Säuglingssterblichkeit, hervorgerufen durch den Mangel an Milch und Trinkwasser, Kindermord durch die eigenen Mütter und Selbstmord waren häufige Erscheinungen. Davon hob sich auf der anderen Seite die tapfere Haltung mancher Frauen ab, die beim Löschen von Bränden, beim Bergen von Verwundeten unter Einsatz ihres Lebens einem großen Teil der männlichen Zivilbevölkerung ein Vorbild sein konnten. Zu erwähnen sind besonders zwei Nachrichtenhelferinnen und eine Wehrmachtshelferin, die freiwillig bis zum letzten Abtransport von Frauen und Kindern bei der Truppe ausharrten und ihren Dienst in vorbildlicher Weise versahen. An die kämpfende Truppe mussten außergewöhnlich hohe Anforderungen gestellt werden. Der hohe Grundwasserstand machte fast in allen Abschnitten ein Eingraben unmöglich, sodass die Truppe dem massierten Feuer der schweren Feindwaffen fast deckungslos ausgesetzt war. Hierzu kam ein fast pausenloser Kampf mit weit überlegenem Gegner ohne die Möglichkeit auch nur eines zeitweiligen Herausziehens. Die schlechten Trinkwasserverhältnisse zeitigten überall schwere Verdauungsstörungen, die die körperliche Widerstandskraft der Besatzung beeinträchtigten.

Die Leistungen der Truppe waren dennoch erstaunlich. Sie musste sich im Häuserkampf feindlicher Panzer, Pak und Flammenwerfer erwehren. Ohne jede eigene Pak wurden 28 Feindpanzer vernichtet, davon 12 mit Nahkampfmitteln, die übrigen durch Flak und Artillerie. Weitere Feindpanzer wurden zweifellos in nicht feststellbarer Zahl in den Bereitstellungsräumen durch die eigene Schiffsartillerie vernichtet. Weiterhin wurden mit Sicherheit vernichtet oder erbeutet: 15 Pak, 9 leichte Geschütze, 8 Granatwerfer, 2 Flammenwerfer, 10 MG., zahlreiche leichte Infanteriewaffen und 9 LKW.

Die Menschenverluste des Feindes waren außerordentlich gross. Nach Gefangenenaussagen war der Gegner schließlich gezwungen, seine Trosse in vorderster Linie einzusetzen. Nach vorsichtiger Schätzung, erhärtet durch Gefangenenaussagen hat der Gegner bis zu 50% Verluste gehabt.

An diesen Erfolgen war die Festungs-Art.-Gruppe Schleiff wesentlich beteiligt. Trotz ihrer improvisierten Aufstellung während der Kampfhandlung entlastete sie die Truppe immer wieder spürbar durch ihre Wendigkeit und Treffsicherheit. Dies war besonders der Tatkraft und den hohen artilleristischen Fähigkeiten des Majors Schleiff zu verdanken. Ebenso war es besonders sein Verdienst, dass die Zusammenarbeit mit der unterstützenden Schiffsartillerie der Zerstörer 34 und 43 reibungslos funktionierte. Ohne diese Unterstützung wäre ein 14-tägiges Halten Kolbergs zweifellos nicht möglich gewesen.

Wenn auch die Zusammenarbeit mit dem Einsatzleiter, Freg.Kpt. Kolbe, nicht ganz reibungslos war, so gelang es trotzdem, bis zum 16.3. 70 000 Zivilpersonen, unbewaffnete Organisationen und Nichtdeutsche abzutransportieren. Weitere 5 1/2 Tausend Wehrmachtsangehörige und Kampftruppen wurden am 17. und 18.3. abtransportiert.

Seit Beginn der Belagerung von Kolberg standen dem Festungskommandanten an Truppen etwa 3300 Mann zur Verfügung, davon im Infanterieeinsatz etwa 2200. Davon fielen im Verlaufe der Kampfhandlungen etwa 2300 Mann aus. Die Verluste wurden laufend durch Aussiebung der unbewaffneten Soldaten sowie durch Neuzuführung des Bat. Kell ergänzt. So wurden in der Nacht vom 17. zum 18.3. noch etwa 2000 Mann kämpfende Truppen, davon etwa 1200 Infanteristen, abtransportiert.

An schweren Waffen standen zu Beginn der Belagerung zur Verfügung:
8 1FH., 7 Flak 10,5 cm, 7 Flak 3,7 cm, l Flak 2 cm, 820 Schuss schwere Wurfkörper in 16 behelfsmäßig vorbereiteten Feuerstellungen sowie das Festungs-MG.-Bat. 91 (M) und der Panzerzug Hptm. Römig. Am 17.3. abends waren noch einsatzbereit: 3 1FH., l Flak 3,7 cm, 2 Flak 2 cm und mittl. Granatwerfer,
(8, 10 FN, 18,7 Flak, 10,5 Flak, 3,7 cm, Flak 2 cm, 820 Schuss schwere Wurfkörper in 16 behelfsmäßig vorbereiteten Feuerstellungen sowie das Festungs-MG.-Bat. 91 (M) und der Panzerzug Hptm. Römig. Am 17.3. abends waren noch einsatzbereit: leichter F.N.13, 1 Flak 3,7 cm, 2 Flak 2 cm und mittl. Granatwerfer. Beim Abtransport wurden mitgenommen: 6 mittl. Granatwerfer,) alle übrigen schweren Waffen wurden unbrauchbar gemacht, ebenso Lebensmittel-, Treibstoff- und Munitionsvorräte.


Dem Feind fiel eine völlig niedergebrannte und verwüstete Stadt in die Hand. Der Dom ist eine ausgebrannte und schwer beschädigte Ruine. Sämtliche Persante- und Holzgrabenbrücken sind gesprengt. Der Bahnhof mit Gleisanlage ist zerstört, die Verladeeinrichtungen am Hafen für lange Zeit unbrauchbar. Dies ist der Gewinn, den der Feind mit sehr hohen Blutopfern erkaufte, aber auch der Preis, um den es gelang, 75 000 Menschen dem Reich zu erhalten.

Mittwoch, 15. März 2017

Stickig

Die Stickoxide haben es nun in die Medien geschafft. Berechnungen der Europäischen Umweltagentur haben ergeben, dass im Jahr 2012 allein 10.400 Todesfälle in Deutschland auf Stickoxide zurückzuführen sind. Die Frage sei erlaubt, warum es erst jetzt auffällt, dass Autofahren schädlich für die Umwelt ist, da die Mehrzahl der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ausgestattet ist. Unser ganzer Wohlstand beruht doch auf dem Verbrennen von Fossilien, die sich über Jahrmillionen gebildet haben. Und Verbrennen werden wir auch weiterhin, ob auf den Weltmeeren mit den großen Schiffen und in den Luft mit den Flugzeugen. Es ist kaum anzunehmen, dass hier der Elektroantrieb eine Alternative sein wird.
Außerdem: waren die Autos früher nicht noch wesentlich umweltschädlicher? In den Achtzigern wurde Stickoxid auch für das Waldsterben verantwortlich gemacht. Wir alle erinnern uns doch an die Zeit, als schwarze Rauchfahnen aus den Dieselautos zum Alltag gehörten. So manches mal fragte man sich, was der Fahrer im Tank hatte. Von Katalysatoren mal ganz zu schweigen. Wie viel Tote gab es da und wie viel der alten Menschen heutzutage sind noch dadurch geschädigt. Nicht transparent wird in den Medien auch gemacht, wie man die Zahl der Toten berechnet. Wurden die vor ihrem Ableben befragt?
Wenn unsere Dieselautos heutzutage so schädlich für die Umwelt sind, dann muss man auch sagen, die Benziner sind es auch. Uns alle Motoren waren früher noch schädlicher. und wir wollen alle Autofahren, weil wir es müssen. Weil die Welt, in der wir leben, es verlangt.
Zudem reicht uns ja das Verbrennen der fossilen Rohstoffe gar nicht. Holz muss für den Kamin her halten und Holzkohle für den Grill. Der Schornstein muss rauchen, das war schon immer so.
Reine Luft ist ein hohes Gut, aber es ist uns nichts wert.

Mittwoch, 8. März 2017

Hauspolizei

Mal wieder hat die Hauspolizei zugeschlagen. Wie eine lächenlnde Feder schwebte unsere polnische Beirätin mit einem Zettel an mir vorbei, der sich bald als Aushang entpuppen sollte. Seite geraumer Zeit, so heißt es da, seien Verschmutzungen im Treppenhaus feststellbar, die der Frau unseres Hausmeisters das Leben beim Putzen schwer machen. Man solle doch nun bitte sehr, um das Entrée schön sauber zu halten, den eigens dafür ohne unsere Zustimmung angeschafften Fußabtreter benutzen.
Letzterer liegt nun neben unserer Hauseingangstür und harrt seiner Benutzung.
Man muss zum Sachverhalt nun allerdings wissen, dass sowohl die Hauseingangstür noch die Treppenhauswände ihr einstmals gepflegtes Weiß behalten haben. Schwarze Flecken, wo das Auge hinsieht. Fahrräder, die an der Wand lang schleifen, Autoreifen, die zur Einlagerung in den Keller getragen werden. All das spielt keine Rolle, eben so wenig, wie die dilettantisch ausgeführten Überpinselungen unseres Anstrichs der Außenfassade. Vom Abenteuerspielplatz in unserem Garten und der ständigen Grillerei im Sommer mal ganz abgesehen. Da greift die Hauspolizei nicht ein.
 
Ich wusste schon immer, dass deutsche Wohnungseigentümergemeinschaften sehr spießig sein können. Die bei uns wohnenden Ausländer assimilieren sich aber sehr gut und können es bald noch besser. Immerhin kommt unsere WEG so auch mal in den Genuss origineller Anreden: liebe Gemeinde, auch so können Verordnungen anfangen.

Donnerstag, 2. März 2017

Traumschiff

Mein Traumschiff schwimmt auf hoher See,
mal gleite ich durch tiefen Schnee,
dann muss ich eben Frau Merkel bewachen,
mit Pistole, die lasse ich krachen.
Mal bin ich wieder irgendwo gefangen,
trauere um Eltern, die lange vergangen.
Dann soll ich als Fotograf mich verdingen,
ein Pärchen will mich mit Geld dazu zwingen.
Aus diesem Theater will ich entschwinden,
doch innere Gefühle wollen mich binden.
Hoffe, das letztlich mein eigenes Ich
oder mein Alter Ego findet mich.


Dienstag, 21. Februar 2017

Wenn ich eine hätte

Irgendjemand sagte zu mir, man müsse mindestens 20 Zigaretten am Tag rauchen. Ich weiß nicht genau, ob es um Zigarettenhandel oder um Zigarettenkonsum ging. 
("Der hat sich tot geraucht." Diese Aussage habe ich von einem überlebenden Pommer, der zum Zeitpunkt meiner Recherche in Köln lebte. Gemeint ist mein Urgroßvater, Johannes Dreyer, der in Kolberg einen Kolonialwarenladen betrieb.) 
Jedenfalls überlegte ich, nach hause zu fahren oder in eine Stadt, die merkwürdigerweise Schiffsstadt hieß. Nach hause wollte ich aber doch nicht. Ich bedachte, dass mein Vater dort sei und ich deswegen wohl nichts zu essen bekäme.

Montag, 20. Februar 2017

Fake new?

Fake News und deren Existenz scheinen die Menschheit und deren Medien zu überraschen.
Dabei gibt es sie schon lange. "Ich mach' mei Arbeit." Das ist ein im Rhein-Main-Gebiet beliebter, meist etwas schwerfällig vorgetragener, Ausspruch.
Jeder weiß, es stimmt meist da nicht, wo diese Äußerung fällt. Diese Menschen geben immer vor, eine bestimmte Arbeit leisten zu können. Aber darauf falle ich längst nicht mehr rein.
Immobilienmakler oder Autoverkäufer oder auch der Mann im Media-Markt: sie alle können oder wollen ihren Zweck nicht erfüllen. Vielfach ist ja auch gar kein Personal in den Servicebereichen da.
Da sind dann nur Minijobler, bei denen man froh sein kann, wenn sie sich einigermaßen engagieren.
Eben alles gefakt, aber nicht new.

Samstag, 18. Februar 2017

Drei Häuser

Eins der drei Häuser war fertig, aber wir konnten es nicht beziehen, weil es jemand anders gehörte. Bei dem zweiten hat jemand dran gearbeitet, aber es war noch nicht fertig.
Bei dem dritten haben wir dran gearbeitet, aber wir wurden nicht fertig.
Das Thema Ankommen beschäftigt mich traumatisch.

Freitag, 17. Februar 2017

Etappe

Heute habe ich vom Ersten Weltkrieg geträumt. Woher ich das weiß? Die Person, um die es ging war der lange verstorbene Freund unserer Familie, Rudolph Ullrich. Rudi, so wurde er in seiner Familie genannt konnte sich in der Etappe hinter der Front aufhalten, da er eine Verletzung am rechten Arm hatte und somit kein Gewehr mehr bedienen konnte. Es herrschte große Angst, dass der Feind die Front jeden Moment durchbrechen könnte. Es war Winter, wir waren mit Skiern unterwegs, hatten aber unsere Stücke verloren. 
Rudi, Jahrgang 1899, war tatsächlich nach einem Notabitur 1918 noch als Soldat eingezogen und an die Westfront geschickt worden. Dort erlebte er die deutsche Kapitulation. Wie er mir selbst erzählte,
war vom Kriegsende zunächst an der Front nichts bekannt. Noch einmal sollte er im Zweiten Weltkrieg Soldat werden.
Tatsächlich war die Gefahr eines Durchbruchs der Alliierten nach Deutschland gegen Ende des Krieges sehr groß.