Freitag, 27. Juni 2014

Wende



Während sich das Jahr um seine Mitte dreht,
ist es schon am Verschwinden, seht,
die Sommerpause naht, die Wende,
Herbstferien, Weihnachten, zum Ende.

Montag, 23. Juni 2014

Samba

Wieder mal habe ich meine Rückreise verpasst und war in einer fremden Stadt gelandet. Zum Glück war da eine Reiseleiterin, der ich anvertrauen konnte, dass ich völlig mittellos war. Sie wies mich jedoch lediglich daraufhin, dass ich ja noch eine Kreditkarte hätte, mit der ich alles bezahlen könnte.
Ich selbst fühlte mich aber so, als würde ich in einem Schlafanzug ohne Taschen durch die Stadt laufen.
Gepäck hatte ich ohnehin keines mehr. So stolperte ich in einen Laden mit lauter verrückten Typen, die mich sofort für einen Auftritt für den kommenden Tag verpflichten wollten. Was ich da machen sollte, vermutlich Fernsehen, vergaß ich gleich wieder angesichts der zuckenden Lebensfreude, die mich überall umgab.
Hinterhäuser, Altbauten, viele Straßen, ich fand Unterschlupf in einem Atelier mit angeschlossenem Laden, den mehrere Frauen betrieben. Wir näherten uns an, ohne uns nahe zu sein.
Eines Tages traf ich in der Stadt auf ein Fahrzeug mit Bewaffneten, sie waren gerade im Aussteigen begriffen und ich fragte sie völlig naiv nach ihren Absichten. Dabei begriff ich längst, dass sie Menschen umbringen wollten. Durch die Ansprache verlor ich meine Anonymität und sie mussten Kontakt mit mir aufnehmen. Fast freundlich ließen sie mich meiner Wege ziehen, ohne mir ihre Absichten zu verraten.
Ich zog es vor, diese Gegend schnell zu verlassen, denn irgend etwas würde passieren.


Mittwoch, 18. Juni 2014

I. Torpedobootsflottille

Fliegende Gedanken, so nennt man das, wenn man eben diese nicht mehr unter Kontrolle zu haben scheint. Mein Gehirn ist offensichtlich tagsüber so unterfordert, dass es in den frühen Morgenstunden auf ganz eigene Reisen geht. Was dabei heraus kommt, ist vielleicht noch am Morgen präsent. Wird es dann nicht aufgeschrieben, so bleibt bestenfalls noch eine Grundidee zurück.
Da stehe ich mit einer großen blonden Frau in einem Laden, die meine zu sein scheint. Da ist so ein Grundgefühl von Vertrautheit, ohne das wir allzuviel miteinander reden oder uns ständig zeigen zu müssen, dass wir zusammen gehören. Ich kümmere mich um die weibliche Kundschaft. Eine Dame offenbart mir, dass sie die Stadt verlässt und wohl für 12  Jahre unseren Laden nicht mehr besuchen wird. Warum es gerade 12 Jahre sind, danach frage ich nicht. Ich tue stattdessen sehr vertraut, obwohl ich die Dame vorher nie angesprochen habe. Natürlich soll sie uns doch bitte schön die Treue halten und wir werden uns ja bestimmt wieder sehen. Bis ich die Zahl 12 überreiße , das dauert ein bisschen. Da ist die Dame schon weg.
Überhaupt halte ich mich für einen Helden im Umgang mit den Kameradinnen von der anderen Feldpostnummer.
Die Bereitschaft von Frauen, einer Unterhaltung mit mir zu suchen, verwechsle ich mit meinen Anbandelversuchen.
Kein Wunder,, dass die meine so ruhig bleibt.
Mit wem ich mich selbst so verwechselt habe? Vielleicht mit meinem Urgroßvater, der ja auch einige Zeit den Matrosen auf einem Torpedoboot gegeben hat. I. Torpedobootsflottille stand einst auf seiner Mütze, wie ich erst kürzlich auf einem Foto entdeckte.

Freitag, 13. Juni 2014

An jenem Morgen

Du küsstest mich zum Abschied
und Du saßest woanders,
Du gingst und schriebst mir,
dass der Regen vom Himmel weine,
Du wolltest in Urlaub,
ich saß alleine
mit Gedanken aus Staub
und an langer Leine.

Da war etwas, was nun nicht mehr ist.
Der Börsenbär ruft, das Schicksal bricht.

Samstag, 7. Juni 2014

1914-1944

Während es im ersten Weltkrieg im Westen lange nichts Neues gab, außer dass immer für das Vaterland gestorben wurde, ereignete sich vor 70 Jahren dort auch nichts Entscheidendes.
Der Zweite Weltkrieg war durch die Dauerbombardements der alliierten Luftwaffen auf Deutschland und durch den bedingungslosen Widerstand der Roten Armee im Osten, gestützt durch unaufhörlichen Materialnachschub aus den USA, für Hitler bereits verloren.
So mag der 6. Juni als Festdatum für die an der Invasion in der Normandie teilnehmenden Länder gelten,
wesentlich entscheidender war es, dass 1914 vom Deutschen Reich ein Krieg erklärt wurde, für dessen Niederlage im Westen es 1918 mit aller möglichen Arroganz der Sieger abgestraft wurde. Dabei war Deutschland im Felde unbesiegt geblieben.
Das sah 1945 naturgemäß anders aus, denn wenn ein Spieler mit seinem Volk als Einsatz Roulette spielt, dann ist der Totalverlust wahrscheinlich. Als Folge ist sich heute kein Land der Welt zu schade, sich auch den Sieg über Deutschland 1945 selbst auf die Fahnen zu schreiben. Viel Feind, viel Ehr, soviel haben wir verdient.

Der australische Historiker Clark arbeitete in seinem Buch deutlich heraus, welche Mechanismen zu dieser großen und von manchen als unvermeidbar angesehenen Auseinandersetzung der europäischen Mächte 1914 geführt haben. Es war die Unfähigkeit der Monarchen, die Folgen eines Krieges und der damit verbundenen Machtverschiebung in Europa zu erkennen. Dazu kam die erstarkende Meinungsmache in den Zeitungen, die das ungeschickte Auftreten des deutschen Reiches für jedwede antideutsche Propaganda nutzten. Germanophobie deckte offensichtlich jede aufkommende Vernunft mit einem irrationalen Schleier zu.
Dies ist ein grob dargestelltes Fazit aus seinem Buch.

Augenzeugen der beiden Kriege gibt es immer weniger, beim ersten Weltkrieg sind sie eigentlich ausgestorben. Und doch gibt es Einflüsse, die man ein Leben lang herum trägt. Vermutlich nicht mehr als ein bisschen Inflationsgeld, ein altes Reclamheft und ein Wecker sind mir geblieben als Vermächtnis von einem Mann, der mich geistig förderte. 1899 im thüringischen Mühlhausen geboren wurde er von meiner Familie nur als "der Ullrich" genannt. Das letzte Schuljahr durfte er bereits vorzeitig verlassen und mit dem Notabitur in der Tasche an die Westfront gehen. Vom Kriegsalltag hat er wenig erzählt. Außer einer Verballhornung des Französischen "Frommage de Brie" als "Vom Arsch die Brüh'" und der sich harmlos anhörenden Äußerung "Henner ducke Dich, es kimmet ne Granate" ist mir nicht viel im Gedächtnis geblieben.
Der Ullrich mit Vornamen Rudi genannt, war kein glühender Verfechter dieses Krieges.
Als der Krieg zu Ende war, wussten die Soldaten im Schützengraben zunächst davon nichts.
Spürbar war dagegen der Hunger, denn Deutschland wurde insbesondere von England zur See blockiert.
Diese Erfahrung vermittelte Rudi mir deutlich, nur nichts "Umkommen" lassen. Das darf man nicht.

Auch die Teilnehmer am 2. Weltkrieg haben grundsätzlich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Mein Schwiegervater glaubte, man hätte den Russen geschlagen, denn er hatte ja nichts. Das schloss man aus dem, was man bei toten russischen Soldaten fand. Andere Soldaten fragten sich beim Anblick des weiten Landes "Was wollen wir hier?".  Dabei war auch mein Schwiegervater kein Fanatiker. Er glaubte, dass er gegen seine russischen Cousins kämpfen musste. Mehrfach sprang er dem Tod von der Schippe und eine Tapferkeitsauszeichnung bewahrte ihn davor, erschossen zu werden, als er versprengt seine Einheit wieder fand. Schließlich schaffte er es, sich selbst den Heimatschuss zu verpassen. Beim Waffenreinigen schoss er sich durch die Hand. Das Vagabundieren aber zwischen den Linien und die Grauzonen, die ein Krieg nun einmal schafft, haben ihn so geprägt, dass er auch später nicht an Gesetze glaubte, die er nicht gemacht hatte.
Für das Heer war Hitlers Vision vom "Volk ohne Raum" längst zuviel an Raum geworden.

Man fragt sich, wer sich eigentlich für diese beiden Kriege begeistert hat. Am ehestens wahrscheinlich (außer der herrschenden Klasse) die Jahrgänge, die den Krieg nicht mehr mit machen mussten und diejenigen, die sich in der Etappe die Parolen ausdachten.








Montag, 2. Juni 2014

One day life

One day in May
she came my way
And made me smile,
we walked for a while.
As the evening ended,
we felt somehow bended,
So I decided
to make her invited
for the rest of my life
not as a friend but as my wife.